ᐅ Eine Reaktion auf den Medienrummel um Kooperationsanfragen

Eine Reaktion auf den Medienrummel um Kooperationsanfragen von Influencern


​Eine Reaktion auf den Medienrummel um Kooperationsanfragen von Influencern
- von ​Martin

Eine Reaktion auf den Medienrummel um Kooperationsanfragen von Influencern MOBILE

Kooperationen als Influencer, Youtuber, Instagramer und so weiter...

Nicht nur wir verfolgen das Ziel, von unseren Abenteuern und den Berichten darüber leben zu können – der Markt ist voll mit Influencern, Digitalen Nomaden und all den anderen Berufsbezeichnungen dieser Branche. Um davon leben zu können, kommt man nicht darum herum, Kooperationen mit Geschäftspartnern eingehen.

Entweder sucht man sich als Blogger seine Kooperationspartner oder man wird selber gefunden. Je nach Größe und eigener Vermarktung hat dies mehr oder weniger Erfolg.

Seit einigen Wochen geistert ja im Netz der fruchtlose Versuch einer größeren YouTuberin, ein kostenloses Hotelzimmer in Dublin zu bekommen, herum. Da das nun einige Wellen zu schlagen scheint, möchte ich einfach mal meine Meinung dazu kundtun und auch unser Vorgehen für Kooperationen etwas transparenter darlegen.

Rechtliche Aspekte lasse ich einfach mal außen vor – wir planen hierzu eine eigene Artikelserie, welche Kooperationen (für kleine Blogger) simpel erklären soll. Dazu aber später mehr.

Auch wir machen Kooperationen

Zu aller erst möchte ich einfach mal „gestehen“: Ja, wir machen Kooperationen.

Wir haben knapp 1.250 Instagram Follower, 200 Facebook Fans, 4 Youtube Subcriber und eine kleine dreistellige organische Suche über Google im Monat.

Wir sind also im Business (noch) ein sehr, sehr kleines Licht. Und trotzdem haben wir bereits Kooperationen gefunden, die uns Geld gespart haben oder Geld eingebracht haben. Persönlich empfinde ich daran auch nichts Verwerfliches. Es ist und bleibt ein Geschäftsmodell. Ihr oder wir bieten ein Produkt (Reichweite im Sinne von Marketing, Produkte wie Fotos oder Videos, etc.) und bekommt dafür eine Gegenleistung (Rabatt, kostenlose Dienstleistung oder eine Bezahlung). Ein einfacher Austausch von Waren oder Dienstleistungen sozusagen. Aus moralischer Verpflichtung unseren Lesern und Follower gegenüber markieren wir Kooperationen eindeutig als solche und sind gern bereit, dazu auch ausführlich Rede und Antwort zu stehen. Schleichwerbung kommt bei uns nicht in Frage!

Warum also dieser Artikel?​​​​

​Tina hat mir vor ein paar Wochen folgenden Zeitungsartikel der Ze.tt geschickt.

Der Artikel stößt mir ein wenig ärgerlich auf, da hier ein schlechtes Licht auf „die Branche“ geworfen wird. Genauso die Argumentation der Hoteliers und die Gegenreaktionen.

Die Anfrage der Youtuberin, Elle Darby​, halte ich für vollkommen legitim. Sie bietet dem Hotel einen Deal an – Formulierungen möchte ich außen vor lassen (dazu kommt in der Artikelserie eine schöne Anleitung), denn diese sind absolut subjektiv. Persönlich finde ich sie aber weder besonders gut, noch schlecht.

Bilder zum Schriftwechsel findet ihr übrigens im Artikel der Ze.tt.

Der Hotelier findet die Anfrage frech – sein gutes Recht. Die Art zu antworten (öffentlich, wenn auch anonymisiert) finde ich vom Stil her schlecht, aber von mir aus. Was ich aber erstaunlich finde, ist die Argumentation der Antwort.

Die Antwort des Hotelbesitzers auf die Kooperationsanfrage

„Wenn ich Dich umsonst unterkommen lasse, um in deinem Video erwähnt zu werden, wer bezahlt dann die Angestellten, die Dir hinterher räumen?“

Nicht nur, dass wir hier auf einem unangemessen persönlichen Level landen, die Argumentation ist in meinen Augen auch schwach. Anstatt einfach abzusagen à la „Mein Hotel steht für solche Arten der Kooperation nicht zu Verfügung“ wird hier versucht (über die öffentliche Antwort), „Medienrummel“ zu erzeugen. Was ja auch geklappt hat.

Sorry Paul (Name des Hotelbesitzers), wenn Du den Deal nicht eingehen möchtest, schlag ihn aus, aber sich darüber zu pikieren, dass für eine Dienstleistung (Reichweite) eine Gegenleistung verlangt wird, wäre so, als würde ich sagen, warum sollte ich für die Unterkunft bei Dir bezahlen – das Hotel steht ja eh da. Schlag den Deal doch einfach aus – vor allem, wenn Du der Meinung bist, dass es den Wert der kostenlosen Übernachtungen nicht wert ist.

Die Reaktion der Influencerin und der Bloggerszene

Sich ganze 17 Minuten auszuheulen – Sorry, das empfinde ich als kindisch. Ich kann der jungen Dame nur einen Rat geben: Lerne mit Fehlschlägen und Ablehnungen umzugehen. In der Regel gehören diese im Leben dazu. Sicherlich war es nicht nett, das öffentlich zu machen, aber sollte man alleine für den inneren Frieden nicht darüber stehen?

Wirklich erschreckend finde ich aber die dahinterstehende Mob-Kultur. Da werden Fackeln und Forken raus geholt und dazu aufgerufen, das Business eines Menschen (mit vielen Angestellten und deren Familien dahinter) zu zerstören, indem man es schlecht bewerten soll, die Rezeption mit Anfragen bombardieren soll und so weiter.

Wow – das muss man erst einmal sacken lassen.

Die deutsche Reiseblogger- und Digitalnomaden-Szene ist mir zum Glück noch nie so negativ aufgefallen.

Leute, das geht nicht. Weder für euch selber, noch für die Branche. Das hier gleicht ja förmlich einer Hexenjagd. Unmöglich! Da fehlen mir wirklich die Worte und das passiert selten. Das macht traurig und wütend zugleich.

Der Faktor Neid bei vielen Kommentatoren

Wenn man der Diskussion nun folgt, findet man meiner Meinung nach viele Neider und Hater (wie man so schön im Neusprech sagt).

Die junge Dame hat für die kostenlose Unterbringung eine Gegenleistung angeboten. Ob diese sich ausgleicht oder nicht obliegt nicht jemand Dritten zu bewerten, sondern nur die involvierten Geschäftsparteien. Der Deal kam hier nicht zustande, genauso oft kommen Deals dieser Art zustande.

Leute, ob ihr euch jetzt darüber aufregt oder nicht, interessiert am Ende herzlich wenig und trägt nur zu einer weiteren Eskalation bei.

Oder geht es nur darum – und so liest sich meiner Meinung nach der ze.tt Artikel und die entsprechenden Reaktionen, dass hier jemand eventuell ein kostenloses Hotelzimmer hätte bekommen können? Da ist gar von Korruption und Vorteilsnahme die Rede. Nochmal: Ein Austausch von Waren hätte bei Annahme des Angebots stattgefunden. Nicht mehr, nicht weniger. Kein Grund, nach einem Henker zu schreien.

Offene Briefe an drei Parteien

Ich habe mich jetzt einfach entschlossen, meine Meinung kundzutun (Clickbait spielt da sicher auch eine Rolle – haha). Da ich es nur auf Deutsch getan habe, aber die Betroffenen aber vermutlich kein Deutsch sprechen, gibt es jetzt noch einmal drei offene Briefe auf Englisch (mit deutscher Übersetzung daneben). Einen für Paul, einen für die Youtuberin und einen an die Bloggerszene gerichtet.

Brief an Paul

Lieber Paul,

zuerst möchte ich mich für die Kollegen aus der Blogger-Branche bei Dir entschuldigen. Es geht nicht, dass man dazu aufruft Dein Business zu zerstören und somit Deinen Lebensunterhalt und den all Deiner Mitarbeiter zu gefährden. Der mediale Rummel scheint Dir letztendlich aber ganz gut zu gefallen, daher möchte ich mich auch kurz halten.

Die junge Youtuberin hat Dir eine Dienstleistung angeboten – in diesem Fall war es Reichweite über ihre Kanäle. Das gleicht Werbung, welche Du sonst in der Zeitung oder im TV schaltest. Ob Du diese Reichweite und Werbung letztendlich als so wertvoll ansiehst, dass Du mehrere Nächte ein kostenloses Zimmer als Gegenleistung hinnimmst ist allein Deine Sache.

Warum ich Dir aber Schreibe ist, weil mir Dein Stil negativ aufgestoßen ist. Die Veröffentlichung war kalkuliert und hat einen entsprechenden Medienrummel erzeugt. Man sagt ja immer es gibt kein schlechtes PR. Damit hast Du natürlich eine entsprechende Reaktion bei der jungen Dame provoziert. Hätte eine einfache eMail Antwort nicht gereicht oder ein Ignorieren? Oder ging es eher um das eigene Ego und das genervt sein von solchen Anfragen?

Ich bin sicherlich nicht in der Position, Dir einen Ratschlag zu geben oder über Dein Verhalten zu urteilen, denke aber trotzdem, dass man es nicht immer eskalieren lassen muss – alleine für den inneren Frieden.

Ich verbleibe mit den besten Grüßen und hoffe, dass Dein Business hierdurch keinen Schaden genommen hat.

Martin

Dear Paul

First of all I would like to apologize for my blogger colleagues. It is absolutely uncalled for to demand the destroyal of your business and by doing that to endanger the source of income for you and all of your employees. However, you don’t really seem to dislike all the media hype, which is why I’ll try to keep myself very short.

The young YouTuber offered a service to you - in this case it was reach via her social media channels. This equals advertisement which you usually would pay for to be put into magazines or TV ads. If you deem this reach or advertisement as valuable enough to offer several free nights in your hotel is completely up to you.

I am writing to you though, as I negatively noticed your way of dealing with this matter. It really seems like you absolutely anticipated the media hype that was caused by your public reply. They say there’s no such thing as bad publicity. Of course you provoked a reaction by the young lady. Wouldn’t an email reply or ignoring the request have been a sufficient reaction? Or was all this more about your own ego and about you being upset by constantly receiving such requests?

It is clearly not my place to give you any advice or to judge your behavior. However, I think that it’s not always necessary to escalate something to the highest level and if it’s only for you own inner peace.

I remain with the best regards and I sincerely hope that your business hasn’t taken any damage by this whole thing!

Martin

Brief an Elle

Liebe Elle,

auch Dir schreibe ich heute einen offenen Brief. Du hast mit Deinem Verhalten ein schlechtes Licht auf deine Kollegen geworfen und damit eine ganze Branche in Verruf gebracht. Ich schreibe selber regelmäßig Kooperationsanfragen und bekomme allerlei Reaktionen darauf. Dies geht von keiner Antwort, über eine positive Reaktion, bis hin zu wirklich bösen Antworten. Aber was soll ich sagen, so what.

Wir verkaufen unsere Dienstleistung, wie es früher ein Staubsauger Vertreter an den Haustüren gemacht hat. Es ist und bleibt ein hartes Business. Wenn Du damit nicht klarkommst, solltest Du überlegen aufzuhören. Sich aber öffentlich als Gegenreaktion über das Hotel auszulassen ist mehr als kalkuliert und damit sollen nur Klicks erzeugt werden.

Persönlich empfinde ich Dein Verhalten als nicht gut, aber wie ich auch Paul schon geschrieben habe, bin ich nicht in der Position Dir einen Rat zu geben oder über Dein Verhalten zu urteilen. Aber Fehlschläge und Ablehnungen gehören in unserem Business zum Alltag. Eigentlich lernt man als Kind mit solchen Emotionen umzugehen und wer sich öffentlich exponiert muss mit entsprechenden Gegenwind rechnen.

Ich hoffe, dass Dich das alles nicht zu sehr mitnimmt und Du für Dich etwas aus der Erfahrung mitnehmen kannst.

Martin

Dear Elle,

You get a public letter from me today as well. With your behavior you threw some bad light onto all blogger colleagues and damaged the reputation of an entire community. I myself frequently write requests for cooperations and I receive all kind of reactions to them. This can reach from no reply at all over a positive reaction up to real mean replies. But what to say, so what.

We sell our services in the same way a door-to-door vacuum cleaner salesman used to do it ages ago. It is and always will be a tough business. If you can’t deal with that, you should consider quitting it altogether. But publicly calling out the hotel for its reaction to your request just seems like a very calculated move and I assume is just thought to generate clicks.

Even though personally I don’t value your behavior I am, as I already wrote to Paul, not in a position to give you advice or judge your actions. However, I think that backlashes and failures are part of our business’ everyday life. Actually I think you learn during your youth how to deal with such emotions, and especially a person exposing herself to that extent in public, has to take some headwinds into account.

I hope that you didn’t feel too down after all of that and that you can take some valuable insights from this experience.

Martin

Brief an ​die Bloggerszene

Liebe Blogger und Influencer Community,

ich bin entsetzt über Euch. Ich schäme mich für eure Aufrufe zur Hexenjagd und möchte mich am liebsten klar von euch distanzieren. Überlegt ihr überhaupt, was ihr hier tut? Nicht nur, dass ihr Öl in ein Feuer gießt, nein, ihr bedroht offensiv die Existenzgrundlage eines Menschen und seiner Mitarbeiter.

Atmet mal tief durch und löst euch von euren emotionalen Spontanreaktionen. Hier wurde eine Kooperationsanfrage unprofessionell abgelehnt. Mehr nicht. Kein Grund so auszurasten.

Schämt euch!

Martin

Dear Blogger and Influencer Community,

I am shocked about your behavior. I feel ashamed for your calls to a witch hunt and I really would like to clearly distance myself from that. Do you even think about what you’re doing here? Not only you’re pouring oil into the a fire, no, but you also publicly threat the livelihood of a person and all of his employees.

Just take a deep breath and take a step back from emotionally charged spontaneous reactions. All that happened here was that a cooperation request has been refused. Not more. No reason to freak out.

Shame on you,

Martin

Schlusswort - versprochen

Ich denke ich habe jetzt genug geschrieben. Mich macht das hier wirklich wütend und deswegen habe ich mich dann auch entschieden eine Reaktion darauf zu veröffentlichen. Ich werde den Artikel ein paar Tage ruhen lassen und selber einmal tief Luft holen...

Jetzt, da ich den Artikel verbessert und veröffentlicht habe, interessiert mich auch eure Meinung und Erfahrungen zum Thema. Wie seht ihr das? Wie geht ihr damit um, wenn eure Anfragen abgelehnt werden? ​

Martin

Ex-Polizist, gebürtiger Berlin und Vielflieger. Fernbeziehung auf der einen Seite und alleinerziehender Vater sein als Gegengewicht. Work Life Balance kenn ich nicht ;-) . Möchtegern Finanzexperte und Beginner auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Träumer und Ideenschmied. Immer unter Strom und schnell gelangweilt. Ansonsten aber ein recht netter Mensch.

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