Versichertes Nomadentum? – Welche Versicherung brauche ich als Digitalnomade?

Welche Versicherungen brauche ich

Welche Versicherungen brauct man im Ausland?

Wir haben uns ja schon einmal über die Notwendigkeit einer guten Auslandskrankenversicherung unterhalten und waren uns (hoffentlich!) einig, dass Reisen ohne Absicherung gegen Krankheit und Unfälle im Ausland einfach gar nicht gut zusammengeht – allein im Hinblick auf die möglichen Kosten, die da auf einen zukommen könnten, aber auch mit Blick auf den Standard der medizinischen Versorgung, der durch eine Versicherung zugänglich wird.

Ein kleiner Hinweis noch vorab – dieser Beitrag ist absolut Affiliate frei und wird es auch bleiben. Versicherungen sind ein heikles Thema und wir möchten hier beraten und nicht verkaufen. 🙂

Versicherungen, Deutsche und die liebe Statistik

Deutsche sind ja bekanntermaßen große Fans jeder Art der Versicherung – die Statistiken sprechen für sich: Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zahlt jeder Deutsche pro Jahr 2219 Euro für Versicherungen. Das liegt weit über dem Durchschnitt Europas von 1843 Euro pro Jahr, den der europäische Versicherungsverband Insurance Europe (IE) ermittelt hat. Im Schnitt hat jeder Deutsche wohl sechs laufende Versicherungspolicen, wie eine Umfrage des Bundes der Versicherten (BdV) aufzeigt.

Das klingt erst mal nach ziemlich viel und gerade als digitaler Nomade möchte man natürlich die laufenden Kosten so gering wie möglich halten. Nichtsdestotrotz trägt ein Mindestmaß an Absicherung nicht nur erheblich zur eigenen Beruhigung bei, sondern sichert einem im schlimmsten Fall auch die Existenz.

Gilt meine Versicherung im Ausland?

Zunächst einmal sollte man prüfen, welche Versicherungen überhaupt im Ausland gelten. Viele erstrecken ihren Versicherungsschutz nämlich nur auf Deutschland, beschränken die Geltung im Ausland nur auf einen Aufenthalt von maximal drei Monaten oder knüpfen die Gültigkeit an den gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, der nach einer Abwesenheit von mehr als sechs Monaten grundsätzlich nicht mehr gegeben ist. Hier empfehlen wir die direkte Nachfrage beim Versicherer und zwar am besten schriftlich. Ihr werdet sehen, dass die meisten Versicherungen im Ausland nicht schützen und damit gilt: ab in die Tonne und kündigen!

Wenn Du Wohnung und Auto aufgibst, versteht es sich von selbst, die Hausrat und die Autoversicherung zu kündigen. Dabei solltet ihr unbedingt die nötigen Fristen beachten, um nicht länger zu zahlen, als ihr den Schutz überhaupt braucht. Es gilt es bei der Hausratversicherung zu beachten, dass manche davon Dein Gepäck auf Reisen absichern. Dies kann wiederum natürlich sehr interessant für digitale Nomaden sein kann. Frag nach den genauen Bedingungen beim Versicherer nach. Überlege, ob es sich lohnt, die Hausrat zu behalten oder ob vielleicht eine Reisegepäckversicherung günstiger und sinnvoller ist. Oft ist eine solche auch in bestimmten Kreditkarten enthalten.

Unserer Meinung nach ein Muss: Die Haftpflichtversicherung

Die meisten Deutschen sind sich einig: Neben der Krankenversicherung ist eine Haftpflichtversicherung ein absolutes Muss. Denn eine kleine Unachtsamkeit kann einen schnell in Existenznöte bringen. Man denke an die möglichen finanziellen Konsequenzen eines beim Grillen ausgelösten Feuers, des verschütteten Tees über dem Laptop des Nebenmannes oder der Verursachung eines Unfalles beim Fahrradfahren. Soweit wir wissen gibt es in Deutschland nur eine Handvoll Anbieter, die eine Haftpflichtversicherung mit Weltgeltung anbieten. Eine gute Option ist hier die VHV-Versicherung. Diese setzt in ihren Versicherungsbedingungen zwar den Wohnsitz in Deutschland bei Vertragsabschluss voraus Dies kann man aber umgehen, wenn man die Versicherung über den Verein Deutsche im Ausland e. V. abschließt, der eine Sondervereinbarung mit der Versicherung hat. Voraussetzung ist dann nur noch ein deutsches Bankkonto sowie eine Postadresse, an die die Briefe der Versicherung zugestellt werden. Informationen dazu findet ihr beim genannten Verein.

Alternative Haftpflichtversicherungen

Ein cool anmutendes neues Konzept liefern die Haftpflichthelden, welche eine Haftpflicht unabhängig vom Wohnort (begrenzt auf fünf Jahre!) für günstige 72€ im Jahr anbieten. Abgesichert bist Du dann weltweit bis zu einem Schaden von 50 Millionen Euro, unter Selbstbehalt von 150,-€. Das klingt für uns sehr ansprechend und wir beide erwägen einen Wechsel zu diesem Anbieter. Die Abwicklung sieht sehr einfach aus und 100% papierlos klingt auch sehr verlockend!

Eine weitere Möglichkeit ist eine Haftpflichtversicherung vor Ort an eurem Aufenthaltsstaat. Dies setzt aber meist einen Wohnsitz dort voraus, für den man das richtige Visum benötigt. Insgesamt also eher schwierig.

Es gibt als letzte Möglichkeit auch internationale Haftpflichtversicherungen. Googlet einfach mal „private liability insurance“, dort findet ihr einige Anbieter. Allerdings solltet ihr bei so etwas immer auch das Kleingedruckte lesen, was die Notwendigkeit eines festen Wohnsitzes zur Gültigkeit dieser Versicherung angeht.

Versicherungen für das Business

Je nach Größe eurer einzelnen Aufträge, die ihr als Selbstständige in völliger Eigenverantwortung abwickelt, müsst ihr natürlich auch über eine Berufshaftpflicht nachdenken, ebenso über eine Rechtsschutzversicherung. Dabei nie die Geltung außerhalb Deutschlands aus den Augen verlieren. Die beste Versicherung bringt nix, wenn ihr am Ende im Ausland nicht davon abgedeckt seid.

Vorsorge für den Ruhestand – Sparen & Investieren?

Reine Vorsorgeversicherungen wie Lebens- oder Rentenversicherungen lohnen sich momentan gar nicht, auch wenn der Gedanke, sich für das Alter oder die Zeit nach dem Digitalen Nomadentum abzusichern, ganz bestimmt kein schlechter ist. Durch die aktuelle Niedrigzinsphase erwirtschaften Riester & Co. momentan kaum eine vernünftige Rendite und sind zudem riesige Gebührengräber. Solltet ihr so ein Produkt bereits euer Eigen nennen und euch jetzt ins Nomadentum stürzen wollen, so können wir euch aus eigener Erfahrung nur empfehlen, lieber nicht zu kündigen, da dies meist noch einmal erheblich teurer wird, sondern die Versicherung beitragsfrei stellen zu lassen. So geht der bereits angesparte Vertrag nicht verloren, aber euer Geldbeutel wird auch nicht mehr weiter belastet. Für eine von Bankprodukten unabhängige Strategie, Vermögen für das Leben nach dem Job aufzubauen, besucht doch einmal Martins anderen Blog.

Zu guter Letzt sollte man natürlich darüber nachdenken, wie man abgesichert ist, wenn man seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Eine Grundabsicherung aus der gesetzlichen Rente erhält man nur, wenn man innerhalb der fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsunfähigkeit mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge eingezahlt hat. Für die Zeit danach braucht man also eine Absicherung.

Schutz vor der Erwerbsunfähigkeit?

Unfallversicherungen machen meistens keinen Sinn, da sie nur abdecken, wenn man durch einen Unfall einen bleibenden Schaden zurückbehält. Statistisch gesehen, ist das nicht mehr wahrscheinlich. Oft sind psychische Erkrankungen die Ursachen für die Verhinderung der Berufsausübung. Viele Berufsunfähigkeitsversicherungen bieten Schutz im Ausland nur für vorübergehende Aufenthalte oder Dienstreisen an.

Zeitmäßig ist der Auslandsaufenthalt oft auf sechs Monate oder ein Jahr begrenzt. Sollte man feststellen, dass die eigene Berufsunfähigkeitsversicherung das digitale Nomadentum nicht unterstützt und eine solche Einschränkung hat, so hat man die Möglichkeit, diese zum nächsten Monat zu kündigen. Ich selbst habe bei meiner Recherche keine deutsche BU gefunden, die man aus dem Ausland abschließen kann. Es gibt aber einige Anbieter, deren Berufsunfähigkeitsversicherung man mit Wohnsitz in Deutschland abschließen kann und danach ins Ausland verziehen kann.

Ohne, dass der Versicherungsschutz verloren geht. Ein Beispiel dafür ist die Berufsunfähigkeitsversicherung der Allianz. Falls ihr noch andere Anbieter kennt, immer her damit! Die Beiträge für Berufsunfähigkeitsversicherungen sind recht hoch. Wer sich dies sparen, aber dennoch nicht ohne kompletten Schutz sein könnte, kann sich die Möglichkeit einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung anschauen. Diese sichert zumindest die völlige Invalidität ab, obwohl wir immer zur spezifischeren BU raten würden – wenn es denn der Geldbeutel hergibt.

 

Versicherung Infografik

Versicherungen für digitale Nomaden – unser Fazit

Ihr seht schon, so einfach Zelte abbrechen und ohne jede Bedenken als digitaler Nomade losziehen kann seine Tücken haben. Zum einen will man natürlich nicht sinnlos Geld für Versicherungen ausgeben, welche einem am Ende im Ausland überhaupt nichts bringen. Zum anderen will man aus Geldgründen natürlich nicht gerade die Versicherung kündigen, die einem am Ende den Kopf rettet. Vor der Abreise nehmt euch also zwei, drei Tage, geht alle eure bereits bestehenden Versicherungen durch. Und die, die euch im Ausland nicht bringen, fliegen raus. Vorsorgeversicherungen, die staatliche Zuschüsse erhalten haben, stellt ihr beitragsfrei, um nichts zurückzahlen zu müssen. Dann kümmert ihr euch direkt um die beiden Must-haves: Krankenversicherung und Haftpflichtversicherung. Für mehr Absicherung schaut ihr euch Möglichkeiten zur Berufsunfähigkeitsversicherung an. Und wer sich dann immer noch zu unversichert fühlt, schaut sich Kreditkarten mit inkludierter Gepäck- und Mietwagenversicherung an. Dazu aber mal mehr in einem anderen Beitrag.

Tina

Reisefan, Möchtegern-Travelhacker und seit acht Jahren Expat in verschiedenen asiatischen Ländern. Ein dauerhaftes Leben in Deutschland kann ich mir momentan gar nicht mehr vorstellen, aber es wäre gelogen, zu sagen, dass mir Döner und Currywurst nicht fehlen.

Der große Schritt, die Festanstellung hinter mir zu lassen und mich vollends ins digitale Nomadentum zu stürzen, steht mir noch bevor, daher freue ich mich, gemeinsam mit unseren Lesern neue Möglichkeiten zu entdecken.

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