Digitale Nomaden und der Verzicht

Digitale Nomaden und der Verzicht

Müssen digitale Nomaden verzichten können?

Digitale Nomaden und der Verzicht

Während ich neulich so mit meinen Hunden am Strand saß und über das Nomadenleben nachgedacht habe, musste ich daran denken, wie traurig ich wäre, hätte ich meine beiden Beagle-Mädels nicht dabei.

Das Nomadenleben ist ganz sicher nicht nur eitel Sonnenschein, denn abgesehen von eventuellen finanziellen Engpässen und kulturellen Herausforderungen verzichtet man schon auf eine ganze Menge (und damit meine ich jetzt nicht den Verzicht auf Döner und Currywurst 😉 ). Ein Grund für uns, mal darüber nachzudenken, auf was man in seinem Wanderleben eigentlich so verzichten muss, und wie man eventuell zumindest ein bisschen Abhilfe schaffen kann.

Kein fester Wohnsitz

Fangen wir mal mit dem ganz offensichtlichen an: Als digitaler Nomade hat man kein festes Zuhause. Das widerspricht ja auch irgendwo der Idee des Nomadenlebens. Während es natürlich eine gewisse befreiende Wirkung hat, sein ganzes Zeug so weit wie möglich zu minimieren und mit allem, was in einen Rucksack oder Koffer passt, herum zu ziehen, so sehr fehlt einem doch sicher manchmal auch die Geborgenheit der eigenen vier Wände.

Was schafft hier Abhilfe?

Zum einen eine gute Wahl der Unterkunft. Wer geht schon gern „nach Hause“ in eine kleine versiffte Kammer, am besten noch mit Ungeziefer oder fleckiger Bettwäsche. Das muss nicht sein! Schaut euch auf AirBnB um, es gibt auch für kleineres Geld liebevoll eingerichtete Wohngelegenheiten. Schreibt den potentiellen Vermieter an und fragt, ob er sich für eine Langzeitmiete von ein bis zwei Monaten oder länger einen günstigeren Preis vorstellen könnte. In größeren oder teureren Städten sucht auch mal auf Couchsurfing. Oft wollen alleinlebende Leute mit tollen Wohnungen ein bisschen Gesellschaft und nehmen dafür gern kostenlos interessante Gesprächspartner auf.

Das ist natürlich in den meisten Fällen nichts für längerfristige Aufenthalte. Wer nichts gegen ein bisschen kurzfristige Ortsbindung einzuwenden hat, dem empfehlen wir Housesitting, vermittelt durch Seiten wie Trusted House Sitters oder Mind My House . Was spricht denn gegen einen vielleicht einmonatigen Rückzug an einen Ort, wo man mal richtig was schaffen kann? Oft genug liegen solche Angebote auch wirklich interessanten Gegenden.

Neulich in einem Podcast empfahl übrigens ein Weltreisender auf AirBnB zu verzichten und stattdessen auf Facebook nach Expat-Gruppen oder „Rentals in …“ für den entsprechenden Standort zu suchen. Oft findet man dort wohl sehr viel bessere und günstigere Angebote als bei AirBnB.

Ich habe mein Haus in Colombo auf diese Art schon mehrere Male „hergegeben“, mal für Couchsurfer während ich anwesend war und zweimal auch schon für Haus- und Hundesitter, als ich im Urlaub war. Das Feedback war jedes Mal richtig klasse, jeder war froh, mal für einige Zeit ein schönes, geräumiges Zuhause zu haben und zwar mit Familienanschluss auf acht Pfoten. 😉

Tiere im Leben der Digitalen Nomadin

Das bringt mich zum nächsten Verzichtspunkt: Haustiere sind nichts für das Nomadenleben, wenn man sich nicht unbedingt auf Roadtrips beschränkt, wo zumindest Hunde kein Problem wären. Wie uns im genialen Buch Abenteuer Hippie Trail: Auf dem Landweg nach Indien* gezeigt wurde, kann auch solche Art von Reisen super sein.

Aber es ist doch eine ganz andere Kategorie als das, was Digitalnomaden machen. Vielleicht geht es nicht allen so, aber mir würden meine zwei Hunde momentan so sehr in meinem Leben fehlen, dass sie einer der Gründe sind, mich eben noch nicht in das Abenteuer Digitalnomade zu stürzen. Sie zurückzulassen würde mir das Herz brechen. Wenn sie mich dann aber irgendwann Richtung Hundehimmel verlassen haben (was hoffentlich noch gaaaanz weit weg ist), dann könnte ich schon irgendwie auf Haustiere verzichten.

Auch wenn ich tierische Begleiter definitiv vermissen würde. Vermutlich würde ich versuchen, mich jeweils vor Ort in einer Tierschutz-NGO zu engagieren oder mich zumindest mit einem lokalen Straßenhund anfreunden. So richtig ersetzen kann das natürlich den eigenen Fellgefährten nicht, Haustiere und das Digitalnomadentum sind aber leider unvereinbar.

Das Fortbewegungsmittel…

Während ich mich glaube ich von den meisten meiner Besitztümer relativ einfach trennen könnte, fiele mir der Verzicht auf ein eigenes Auto schon schwerer. Gut, hier lässt sich durch Mietwägen, Roller oder günstige Ankäufe in Ländern, wo das einfach geht, relativ schnell Abhilfe schaffen. Das wäre dann aber vermutlich auch ein Auswahlkriterium des Ortes für mich – ich brauche natürlich kein Auto in New York und verzichte dort ohne Probleme darauf, auf Bali oder in Thailand wäre ich aber immer gern mobil und würde mir unbedingt eine Lösung suchen.

Sicherheit als Nomade?

Etwas viel weniger Greifbares als ein schnödes Auto oder ein festes Dach über dem Kopf, was aber ein überaus großer Verzicht für die meisten Digitalnomaden, zumindest am Anfang sein wird, ist Sicherheit. Wir haben euch ja in ein paar Posts bereits nahegelegt, für ein Mindestmaß an Absicherung für Krankheits- oder Schadensfälle zu sorgen.

Aber dennoch ist das Konzept Sicherheit noch einmal ein deutlich breiteres.

Wer garantiert für eine stabile Auftragslage? Wie gehe ich sicher, dass der Auftraggeber auch wirklich zahlt? Wie fühle ich mich in einer fremden Großstadt oder einem vergleichsweise kriminellen Land sicher? Warum lege ich mein Leben in die Hände eines verrückten Busfahrers?

Sicherheit ist allumfassend und auf digitalen Pfaden oft doch eher wenig vorhanden.

Eine gewisse Liebe zum Risiko ist sicherlich allen ernstzunehmenden Digitalnomaden gemein, aber wie kann man sein persönliches Sicherheitsgefühl steigern? Gut, jobmäßig hat man zu einem großen Teil sein Schicksal selbst in der Hand, wenn man keine große Cashreserve hat, dann sollte man zumindest wissen, wie man kurzfristig an (digitale) Jobs kommen kann, die einem ein minimales Auskommen sichern. Ob es nun das Schreiben von Texten auf Content und Co. ist, online Aufträge auf Mach Du Das. Auch online hat man bereits vielerlei Möglichkeiten Zeit gegen Geld zu tauschen.

Für die meisten anderen Lebenslagen kann man nur raten, sich eine gewisse Grundskepsis anzulegen. Auch wenn Reisende und Touristen nicht unbedingt das Gleiche sind, so zählen sie im Ausland doch an vielen Orten zur gleichen Art von Menschen, die es einfach hemmungslos abzuzocken gilt. Manchmal wird man nur durch Erfahrung schlauer.

Ich hatte das Glück durch die Erfahrungen anderer meine gesunde Skepsis zu finden (auch wenn das für diese Leute natürlich eher weniger glücklich war) und muss mich inzwischen sogar oft dazu ermahnen, nicht zu abweisend zu werden.

Die Balance zu halten ist hier gar nicht so einfach.

Aber wenn beispielsweise als alleinreisende Frau in Südasien unterwegs ist, fährt man in aller Regel besser, einheimischen Männern grundsätzlich nicht die besten Absichten zu unterstellen. Auch gebe ich gern zwei Euro mehr aus, wenn ich der Meinung bin, dass damit meine Sicherheit im Straßen- oder gar Luftverkehr deutlich erhöht wird. Gleiches gilt natürlich auch für Fähren und sowas.

Wie ist eure Einstellung zum Thema Verzicht? Worauf verzichtet ihr gern im Austausch gegen die Freiheit? Was fehlt euch und wie steht ihr zum Thema Sicherheit als Digitalnomade?

 

Tina

Reisefan, Möchtegern-Travelhacker und seit acht Jahren Expat in verschiedenen asiatischen Ländern. Ein dauerhaftes Leben in Deutschland kann ich mir momentan gar nicht mehr vorstellen, aber es wäre gelogen, zu sagen, dass mir Döner und Currywurst nicht fehlen.

Der große Schritt, die Festanstellung hinter mir zu lassen und mich vollends ins digitale Nomadentum zu stürzen, steht mir noch bevor, daher freue ich mich, gemeinsam mit unseren Lesern neue Möglichkeiten zu entdecken.

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