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Gesund im Ausland – Brauche ich eine Auslandskrankenversicherung?

Sind Auslandskrankenversicherungen sinnvoll?

Lebt man permanent im Heimatland oder auch einem Drittland, so ist man gewöhnlicherweise gesetzlich oder privat krankenversichert. Reist man vorübergehend für einige Wochen oder Monate ins Ausland, so sollte man, eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Aber was ist, wenn man sich für das digitale Nomadenleben entschlossen hat und somit sich in keinem Land lange genug für den Abschluss der dort üblichen Krankenversicherung aufhält? Was ist, wenn man oft spontan weiterreist. Oder man in einem Drittland ist, wo die vorher abgeschlossene Krankenversicherung gar keine Gültigkeit hätte?

In unseren Auslandsaufenthalten haben wir viele Leute getroffen, die sich darüber noch gar nicht wirklich Gedanken gemacht haben. Meisten wurde irgendwie gehofft, ihre gesetzliche oder private Krankenversicherung würde ihnen im Ernstfall schon die nötige Unterstützung zukommen lassen. Leider haben wir dabei auch Fälle mit angesehen, in denen die Betreffenden böse auf die Nase gefallen sind. Spätestens als sie feststellen mussten, dass sie keine Versicherung haben, die für die 12.000 Euro Knie-OP nach dem üblen Fahrradunfall oder die Dengue-Fieber-Behandlung aufkommt.

Daher haben wir uns einmal Gedanken gemacht, welche Art von Krankenversicherung wir euch als digitale Nomaden ans Herz legen wollen.

Verlasst euch nicht nur auf eure gesetzliche/private Krankenversicherung und auch nicht nur auf eine Auslandsreisevesicherung!

Warum? – Nun, für die Aufrechterhaltung eures Versicherungsstatus‘ in Deutschland ist es normalerweise notwendig, dass  ihr einen Wohnsitz in Deutschland habt. Den dürftet ihr aber eigentlich nur haben, wenn ihr euch mindestens sechs Monate im Jahr in Deutschland aufhaltet, das ist das Prinzip des gewöhnlichen Aufenthalts. Sicher, man kann erst einmal in Deutschland gemeldet bleiben, wenn man ins Ausland geht, allerdings sollte man dabei aufpassen, keine Ordnungswidrigkeit zu begehen, welche mit einem Bußgeld belegt werden könnte (dazu mehr in unserem Beitrag zum Abmelden aus Deutschland).

Der Wohnsitz oder die Gewerbeanmeldung in Deutschland machen euch in den meisten Fällen automatisch krankenversicherungspflichtig. Was zunächst schön und verlässlich klingt, bringt euch als Digital Nomads aber leider nicht sehr viel, denn die meisten gesetzlichen Versicherungen decken Auslandsaufenthalte gar nicht und die meisten privaten Krankenversicherung decken diese nur vorübergehend oder nur in bestimmten Ländern Europas ab.

An apple a day keeps the doctor away!

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Für kürzere Aufenthalte, meistens bis zu eineinhalb Monaten, wobei es inzwischen auch einige Anbieter

mit einer 365 Tage oder gar Fünfjahresabdeckung gibt, kann man eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung abschließen. Diese ersetzt aber auf keinen Fall eine normale Krankenversicherung, da sie normalerweise nur die Erstbehandlung im Ausland sowie den Rücktransport nach Deutschland abdeckt.

Da ihr aber als Digital Nomad dauerhaft im Ausland unterwegs sein wollt, bringt euch das nicht viel, wenn ihr beispielsweise keine Zahnbehandlungen oder harmlose chronische Krankheiten dauerhaft  im Ausland behandeln lassen könnt.

Mehrere Optionen für den Versicherungsschutz

Der erste Schritt sollte also sein, euch ganz genau bei eurer bestehenden Versicherung in Deutschland zu erkundigen, unter welchen Bedingungen ihr im Ausland versichert seid – fragt danach, wie lange und in welchen Ländern der Schutz gilt, für welche Arten von Behandlungen genau, ob der Transport nach Deutschland eingeschlossen ist und ob das Ganze auch noch gilt, wenn ihr nicht mehr in Deutschland gemeldet seid.

Sobald ihr den bestehenden Schutz mit eurem Versicherer abgeklärt habt, habt ihr also mehrere Optionen:

  1. Ergänzt eure bestehende Versicherung durch eine geeignete Auslandsreiseversicherung.

Dafür ist natürlich wichtig zu wissen, wie lange eure Versicherung daheim überhaupt bestehen bleibt. Für Kurzreisen von bis zu sechs Wochen im Jahr gibt es Angebote zuhauf, wichtig ist hier, dass ihr die Versicherung VOR Reiseantritt abschließt. Ein wenig übersichtlicher wird es, wenn man nach Anbietern für Auslandsversicherungen von bis zu einem Jahr sucht. Und bei Anbietern für Auslandsversicherungen von bis zu fünf Jahren beschränkt sich die Anzahl auf eine Handvoll.

  1. Kündigt eure Krankenversicherung und sichert euch nur über eine Auslandskrankenversicherung ab – NICHT EMPFOHLEN!

Im Ernst, tut es nicht, denn danach wieder ins deutsche Krankenversicherungssystem hereinzukommen, gleicht einem Albtraum. Zumal es durchaus sein kann, dass sich etwas an eurem Gesundheitszustand während eurer Zeit im Ausland ändert – es ist ziemlich wahrscheinlich, dass diese Vorerkrankung dann bei einem erneuten Versicherungsabschluss nicht abgedeckt wird oder die Prämie sich entsprechend erhöht.

Problemfall Krankheit

Problemfall Krankheit

Es gibt für die Mitglieder privater Krankenversicherung eine gute Option, die ein wenig in diese Richtung geht. Schließt eine Anwartschaft für eure Krankenversicherung ab. Diese friert sozusagen euren momentanen Gesundheitszustand und Beitragsbemessung für diesen ein. Ihr zahlt dann monatlich einen kleinen Beitrag, um dann bei Rückkehr die Möglichkeit zu haben, genau an dieser Stelle wieder in die Krankenversicherung einzusteigen. Für Selbstständige ist dies eine ziemlich gute Lösung, vor allem, wenn ihr euch wirklich für ein paar Jahre aus Deutschland zurückziehen wollt.

Dies ist auch eine gute Möglichkeit, wenn ihr euch über eine internationale Krankenversicherung absichern wollt und nicht doppelt für diese und die private Krankenversicherung daheim blechen möchtet.

  1. Versichert euch an eurem Aufenthaltsland.

Ganz ehrlich, wir halten dies für digitale Nomaden eigentlich für keine tragbare Lösung. Nicht nur entsprechen Krankenversicherungen im außereuropäischen Ausland meistens bei weiten nicht unseren Standards. Auch sind sie oft vielmals bürokratischer und das in einer Bürokratie, die uns fremd ist und oft in Sprachen, welcher man nicht mächtig ist. Und, und das ist wahrscheinlich der ausschlaggebendste Punkt, diese Versicherung gilt auch wieder nur im Land des Abschlusses. Genau das entspricht aber nicht dem Geist des digitalen Nomadentums, welches euch ja eure Ortsunabhängigkeit und die Freiheit zu reisen genießen lässt.

In vielen asiatischen Ländern kommt es zudem auch noch häufig vor, dass sogenannte „Insurance Scams“ euch betrügerisch das Geld aus der Tasche ziehen, indem sie euch zwar monatlich die Beiträge entrichten lassen, dann aber nicht zahlen, wenn es tatsächlich mal zum Versicherungsfall kommt. Nicht, weil das Verfahren so kompliziert ist, nein, sondern weil sie nie vorhatten, auch nur einen ihrer Mitglieder die Behandlung zu zahlen.

No Risk, no fun? –  Keine gute Idee beim Thema Krankenversicherung!

Operationen werden schnell extrem teuer!

Operationen werden schnell extrem teuer!

Immer wieder treffen wir im Ausland auf Leute, die meinen, ohne Auslandskrankenversicherung auszukommen,

insbesondere, weil Behandlungen in wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern meist recht günstig im Vergleich zu Deutschland sind. Vor allem junge, gesunde Menschen machen sich natürlich nicht groß Gedanken um alles, was passieren könnte. Ohne darüber nachzudenken, was alles an Unfällen oder plötzlichen schweren Erkrankungen dran hängen könnte. Denn auch in Südostasien akkumulieren sich die Kosten für monatelange lebenserhaltende Maßnahmen im Krankenhaus, für Physiotherapie oder für spezielle Medikamente schnell zu einem stattlichen Sümmchen. Und selbst wenn zuhause die Versorgung gut ist, habt ihr auf dem Schirm wie teuer ein Ambulanzflug nach Deutschland ist? Da kommen schnell mal 20.000 Euro zusammen.

Oft ist es auch so, dass Krankenhäuser, vor allem in Asien, die Bezahlung vor der Behandlung einfordern. In Deutschland wird man ja normalerweise behandelt und bekommt die Rechnung dann per Post. Falls man nicht zahlt, eventuell dann später vom Inkassounternehmen. Nicht so im Ausland – dort wird man gern mal im Krankenhaus festgehalten, bis die Rechnung bezahlt ist, das ist uns sogar schon am eigenen Leib passiert, weil die Kostenübernahmeerklärung unseres Arbeitgebers plötzlich nicht mehr anerkannt wurde.

Freunde als Helfer in der Not? Lieber mit Auslandskrankenversicherung!

Freund & Helfer? Leider nur bedingt.

Freund & Helfer? Leider nur bedingt.

Wenn man ohne Auslandskrankenversicherung reist, ist man letztendlich auf ein gutes Netzwerk an Freunden angewiesen, die das Geld schnell zusammenkratzen, um einen aus dem Krankenhaus „auszulösen“. Selbst wenn die Behandlungskosten auf den ersten Blick bezahlbar erscheinen, schnell kommen da mal einige Tausend Euro zusammen. Vielleicht hat man die als Notfallreserve sogar irgendwo liegen, aber wie soll man so schnell an das Geld kommen, insbesondere wenn man im schlimmsten Fall im Krankenhaus auf der Intensivstation liegt. Versicherer, sind sie einmal informiert, nehmen meist direkt mit der Buchhaltung der Krankenhäuser Kontakt auf und regeln die Bezahlung.

Oft hat man damit dann gar nichts mehr zu tun. Auch die deutschen Botschaften vor Ort sind euch gern behilflich, im Notfall euren Versicherer zu kontaktieren. Oft werden sie auch von den Krankenhäusern mit dieser Bitte angerufen. Was Botschaften aber nicht tun können, ist eure Rechnung zu übernehmen. Ja, auch wenn ihr deutscher Staatsbürger seid und in Deutschland Steuern gezahlt habt und so weiter! Der deutsche Staat ist nicht dazu da, euch im Ausland rauszuhauen.

Einzige Ausnahme ist die unmittelbar bestehende Gefahr für euer Leben, sollte also z. B. eine dringend angeratene Not-OP nur durchgeführt werden, wenn ein paar Scheine auf den Tisch gelegt werden, so hilft die Botschaft aus. Das Geld müsst ihr aber später zurückzahlen.

Unser Fazit: Versicherungen für Expats und Digital Nomads sind sinnvoll

Wir hoffen, wir konnten euch ein wenig weiterhelfen und haben euch überzeugt:

  1. Vor Abreise euren Versicherer anzurufen und nach den genauen Details eurer Versicherung im Ausland zu fragen.
  2. Eine Anwartschaft abzuschließen statt eure Versicherung zu kündigen.
  3. Euch über Möglichkeiten und Bedingungen einer Auslandskrankenversicherung zu informieren.
  4. Auf gar keinen Fall unversichert ins digitale Nomadentum zu starten!

Lasst uns gern eure Fragen zur Auslandskrankenversicherung wissen oder teilt eure Erfahrungen mit uns!

Bis dahin, bleibt gesund!

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Kommentare

Katja 12. Januar 2017 um 09:15

Wer auf Reisen geht, sollte sich in jedem Fall richtig absichern, denn es kann so schnell etwas passieren, da ist man froh, wenn zumindest die finanzielle Seite abgesichert ist und man die Kosten nicht auch noch selbst tragen muss.

Antworten

vogesenchalet 4. Juli 2017 um 11:31

Frankreich:

Arzt muss sofort in bar bezahlt werden. Kann später bei der eigenen Krankenversicherung eingefordert werden.

Ärztliche Verschreibungen müssen nach 20 Uhr von der nächsten Polizeiwache gegengestempelt werden, bevor man sie in der Apotheke vorlegt.

Antworten

Tina 6. Juli 2017 um 15:51

Wow, das sind ja spezielle Vorschriften! Vielen Dank für die Info! Wenn man einen Auslandskrankenversicherung vorweisen kann, weigern sich die Ärzte, direkt mit dieser abzurechnen?

Antworten

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