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Was kann eine Deutsche Botschaft für euch im Ausland tun?

Was kann eine Deutsche Botschaft für euch im Ausland tun_

Hilfe zur Selbsthilfe ist der Grundsatz

Was kann eine Deutsche Botschaft für euch im Ausland tun?

Durch das Leben im Ausland kommen Martin und ich oft mit Expats und Reisenden in Kontakt und konnten das ein oder andere Mal schon einige interessante Gespräche mit anhören, in denen einem Problem mit dem Ausspruch „Ach, da wende Dich mal an die Deutsche Botschaft, die können Dir helfen!“ begegnet wurde. Oft ist es auch das andere Extrem, jemand klagte sein Leid (voller Pass, Probleme in einem Rechtsstreit in Deutschland etc.) und gleich wurde über die Botschaft hergezogen. Unnütz und nicht hilfsbereit hieß es da.

Was kann man erwarten?

Grundsätzlich gibt ein bestimmtes Servicespektrum, das eine Botschaft mit einer Konsularabteilung für euch abdecken kann. Es gibt immer Spielräume und es wäre realitätsfern, nicht zu glauben, dass so manches von der Hilfsbereitschaft und Flexibilität des entsprechenden Beamten abhängt. Nichtsdestotrotz ist das Servicespektrum einer deutschen Auslandsvertretung recht klar abgesteckt. Was also können Deutsche Botschaften für euch im Ausland tun?

Ihr habt euren Pass verloren?

Dann ab zur nächsten Deutschen Botschaft! Aber vorher besorgt euch bitte ein aktuelles Passbild, eine Kopie des alten Passes oder ein anderes Ausweisdokument oder zumindest eine Kopie davon.

Außerdem solltet ihr eine polizeiliche Verlustanzeige dabeihaben, auf Grundlage welcher die Botschaft euer verlorenes Dokument zur internationalen Sachfahndung ausschreibt, damit mit diesem kein Schindluder getrieben werden kann. Dies sind die Mindestanforderungen für die Ausstellungen eines sogenannten Reiseausweises zur Rückkehr.

Wie der Name schon sagt, kann man mit diesem zurück nach Deutschland reisen. Als digitale Nomaden wollt ihr aber sehr wahrscheinlich nicht zurück nach Deutschland. Dann könnt ihr entweder einen vorläufigen Reisepass beantragen oder direkt einen neuen biometrischen Reisepass. Dafür müsst ihr noch eine Geburtsurkunde und, falls ihr abgemeldet seid, eine Abmeldebescheinigung mitbringen.

Der vorläufige Reisepass kann innerhalb weniger Tage ausgestellt werden, ist aber nur ein Jahr gültig und enthält keinerlei biometrische Daten. Der normale Reisepass dauert auf Grund der Postlaufzeiten ca. sechs, im Expressverfahren drei bis vier Wochen. Checkt auf der Website der Botschaft, ob ihr vorab einen Termin vereinbaren müsst und was die Sprechzeiten sind.

Macht ein Backup der Dokumente

Wir empfehlen genau für solche Fälle jedem digitalen Nomaden ein elektronisches Backup aller wichtigen Dokumente – Reisepass, Personalausweis, Führerschein, Geburtsurkunde, Abmeldebescheinigung, Krankenversicherungspolice, Tauchscheine etc.. Sinn macht auch das Speichern eines Passbildes, sodass ihr dies im Notfall nur noch ausdrucken müsst. Gute Dienste dafür sind Dropbox und Google Drive. Für das Einscannen per iPhone empfehle ich aus meiner eigenen Erfahrung die App Genius Scan.

Geldprobleme oder Ärger mit der Bank

Eure Kreditkarte geht nicht mehr oder wurde gestohlen und ihr habt momentan kein Bargeld mehr? Hier kann die Deutsche Botschaft entgegen eines weit verbreiteten Irrglaubens nicht so einfach finanziell unterstützen.

Falls ihr keine Möglichkeiten habt, zuhause jemanden zu kontaktieren, so kann die Botschaft euch einen Anruf gewähren oder für euch zuhause anrufen und um eine Geldüberweisung per Western Union bitten. Dies würden wir jedem zur kurzfristigen Geldbeschaffung empfehlen. Zwar könnten eure Eltern, Freunde oder wer auch immer euch Geld zur Verfügung stellt, auch über das Auswärtige Amt überweisen.

Dies dauert aber deutlich länger und ist ebenfalls mit Gebühren verbunden. Ich würde daher immer versuchen, über Western Union oder andere Money Transfer Services an Geld zu kommen. Falls ihr niemanden erreicht oder aber euch niemand unkompliziert Geld zur Verfügung stellen kann, so gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Zur Überbrückung eines kurzfristigen Engpasses könnt ihr bei der Botschaft eine sogenannte Kleinsthilfe beantragen. Diese Finanzspritze beträgt höchstens 35,99€ und ist unverzüglich zurückzuzahlen.
  2. Für größere Notlagen oder gar eine Rückführung nach Deutschland könnt ihr bei der Botschaft einen Antrag auf Konsularhilfe stellen. In diesem werden detaillierte Informationen zum Entstehen eurer Notlage und euren unterhaltspflichtigen Angehörigen abgefragt.

Nachdem ihr den Antrag eingereicht habt, informiert die Botschaft die Polizei in Deutschland, welche eure Angehörigen aufsucht und auf deren Unterhaltspflicht aufmerksam macht. Bitte beachtet, dass bei Daueraufenthalt im Ausland, also länger als sechs Monate, die Unterstützung einer Rückführung nach Deutschland nur in Betracht kommt, wenn ernsthafte Gefahr für euer Leben oder körperliches Wohlergehen besteht.

Auch über diesen Weg erhaltene Gelder sind zurückzuzahlen. Solltet ihr nicht zurückzahlen, so könnt ihr für zukünftige Anträge auf eine Blacklist kommen. Wir legen euch die Rückzahlung selbst kleinerer Beträge dringend ans Herz.

Die Gefängnis Karte

Solltet ihr, und wir hoffen inständig, dass dies keinem unserer Leser passiert, mit dem Gesetz in Konflikt geraten und ins Gefängnis kommen, so habt ihr ein Anrecht darauf, eure Botschaft zu kontaktieren. Diese wird euch dann, wenn es irgendwie geht, so schnell wie möglich im Gefängnis besuchen.

Dafür solltet ihr euch vorab Gedanken machen, wen die Botschaft über euren Gefängnisaufenthalt informieren soll und wie die Kontaktdaten sind. Weiterhin solltet ihr den Botschaftsangehörigen am Telefon sagen, ob ihr etwas ganz dringend benötigt. Zum Beispiel Medikamente oder bestimmte Nahrungsmittel. Die Botschaft wird euch keinen Rechtsbeistand bezahlen, kann euch aber helfen, Kontakt zu einem Anwalt herzustellen.

Und weiter?

Die Konsularabteilung der Botschaft kann ansonsten noch eine ganze Reihe kleinerer Dinge erledigen, die man auch in Deutschland beim Bürgeramt vornehmen lassen kann: Unterschriftsbeglaubigung, Fotokopiebeglaubigungen, Bescheinigungen, Bestätigungen von Übersetzungen (Achtung, dies geht nicht immer und diese sind teuer, bitte unbedingt vorab anfragen), Geburtsanzeigen, Namenserklärungen, Führungszeugnis beantragen und Beratungen in Staatsangehörigkeitsangelegenheiten.

Solltet ihr Interesse an unterstützenswerten und vertrauenswürdigen NGOs in eurem Aufenthaltsland haben, so kann die Botschaft euch eventuell hilfreiche Kontakte vermitteln. Gleiches gilt für Wirtschaftskontakte. Wir empfehlen euch dafür, eure Anfragen so konkret wie möglich über das Kontaktformular an die Botschaft heranzutragen.

Allgemeine Fragen bekommen unserer Erfahrung nach allgemeine Antworten, die in aller Regel nicht sehr hilfreich sind. Bevor ihr euch an die Botschaft wendet, recherchiert so viel wie möglich selbst und richtet euch nur mit tatsächlichen Unklarheiten an eure Auslandsvertretung. Viele Fragen werden durch die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts bereits umfassend beantwortet. Interessante Fakten zum Gastland findet ihr unter der gleichen Adresse in den Länderinformationen.

Eine Übersicht der hier beschriebenen Services bietet euch auch noch einmal das Auswärtige Amt auf seiner Website.

Was kann eine Botschaft hingegen nicht für euch tun?

Die Botschaft kann sich nicht zu euren aufenthaltsrechtlichen Fragen im Ausland äußern. Dafür müsst ihr euch an die dortige Immigrations-Behörde wenden. Die Botschaft kann sich auch nicht in eure Rechtsstreits einmischen. Ihr könnt auf der Website der Botschaft oder über E-Mail-Kontakt aber an eine von der Auslandsvertretung zusammengestellte Anwaltsliste kommen, die jede Botschaft führen muss.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Botschaften euch euren Führerschein bei Verlust ersetzen können. Das ist nicht der Fall! Ein neuer Führerschein wird von eurer Führerscheinstelle in Deutschland ausgestellt, kann aber bei einem unzuverlässigen Postwesen über die Botschaft an euch geschickt werden. Für alles andere, z. B. Kreditkarten oder Ähnliches fungieren Botschaften nicht als Postamt!

Es werden keine Sendungen für euch angenommen und weitergeleitet, dafür müsst ihr einen zuverlässigen Kurierservice in Anspruch nehmen.

 

Ein Wort zum Abschluss

Wir empfehlen jedem unserer Leserinnen und Leser sich für ihren jeweiligen Auslandsaufenthalt in der Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts einzutragen. Im Falle einer Naturkatastrophe oder einer anderen Krise kann das Auswärtige Amt bzw. die Botschaft vor Ort schnell Kontakt zu euch aufnehmen und über das weitere Vorgehen informieren.

Auch wenn dies sehr theoretisch klingt, so denkt an Vorfälle wie den Tsunami 2004 oder das Erdbeben vor zwei Jahren in Nepal. Bei solchen Großereignissen ist man dankbar über jegliche offizielle Unterstützung. Mit einem Eintrag in der Krisenvorsorgeliste erleichtert ihr ungemein die notwendige Informationsstreuung in einem solchen Fall. Als noch einmal: Tragt euch ein und haltet eure Daten dort up to date!

Habt ihr schon einmal Erfahrungen mit einer deutschen Auslandsvertretung gemacht? Falls ja, wie waren diese, ward ihr zufrieden?

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