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Tag 07 – Martin muss auf dem Dingle Way reiten

Tag 07 - Martin muss am Dingle Way reiten

Martin hoch zu Ross…

Auf dem Dingle Way reiten und zwar abseits der Wege

Bevor es dazu kam, dass Martin auf dem Dingle Way reiten musste, hatten wir natürlich erst einmal unsere Sachen zu packen und aufzubrechen. Nach einem guten Frühstück verfrachteten wir schnell alles wieder an seinen Platz in den Rucksäcken. So langsam hatten wir darin Übung und benötigten nur noch wenige Minuten.

Wir machten uns nun auf dem Weg zu unserem nächsten Etappenziel auf dem Dingle Way: The Gamekeepers Cottage. Leider hat das B&B keine eigene Webseite, aber wenn ihr danach googelt findet ihr genug Hotelvergleichsseiten, die es listen.

Der Weg war der kürzeste des gesamten Urlaubs. Mit gerade einmal knappen 5 Kilometern konnten wir innerhalb von zwei Stunden gemütlich an Feldern und Weiden und ganz vielen Schafen vorbei spazieren.

Ab ins Landesinnere der Dingle Halbinsel

Hohe Hecken und weite Felder dominierten die Aussicht des Tages und in der Ferne erstreckte sich der Mount Brandon. Wir versuchten mit dieser kurzen Etappe so nah an den Berg heranzukommen, wie es uns nur möglich war. Denn am nächsten Tag galt es diesen zu überqueren. Dazu aber im nächsten Artikel mehr.

Nur einige Rinder und Kühe haben wir gesehen, dafür aber gefühlt 1000 Schafe, markiert in allen möglichen Farbkombinationen. Diese ängstlichen Tiere wollten sich aber nur schwer aus der Nähe fotografieren lassen, also gingen wir schnell weiter.

Nach einer Weile kamen wir dann endlich im Dorf an und versuchten uns zu orientieren. Das Gamekeepers Cottage sah von außen aus, wie ein gewöhnliches Wohnhaus und wir platzten auch direkt in ein Wohnzimmer hinein.

Rita, Jim und das Cottage

Rita, die Besitzerin, empfing uns mit einem Redeschwall ohne Ende. Schnell stellte sich auch heraus, dass sie zugezogen war, um mit ihrem Mann, Jim, zusammenzuleben. Das erklärte den Unterschied zur sonst üblichen Wortkargheit in der Region. Dennoch eine der herzlichsten Begrüßungen auf dem ganzen Trip.

Das B&B war klein und übersichtlich, mehrere Zimmer mussten sich eine Toilette teilen und neben uns gab es nur noch einen anderen Gast aus Peru, welcher aber nicht viel sprechen wollte. Rita erklärte uns, dass er Künstler sei und jedes Jahr zu ihr käme.

Rita zeigte uns die Freizeit-Optionen in der Ortschaft auf und diese waren eigentlich auf den örtlichen Reiterhof beschränkt.

Reiten auf dem Dingle Way

Rita hat für uns dann einen Ausritt abgeklärt – ohne Termin läuft da nämlich sonst nichts. Nach einer kurzen Ruhephase (ja ja, eine harte Anreise) schlenderten wir dann rüber zum Sea View Equestrian und meldeten uns an.

Während unser Guide, Sean, die Pferde fertig machte, konnten wir seine Frau, Katy, bei einem Training mit Kindern beobachten. Pferde sind beeindruckende Tiere und vor allem, wenn deren Schulterhöhe auf der eigenen Kopfhöhe endet.

Tina bekam ein entsprechend kleines „Pferdchen“ und ich durfte mich an einem riesigen Tier versuchen. Das mag zwar etwas überspitzt klingen, aber so kam es mir in dem Moment vor. Man muss dazu sagen, dass ich ein wenig traumatisiert von Vorerfahrungen bin. Einmal war ich reiten, wurde dabei von einem Fohlen mehrmals gebissen und wurde am Ende nur an einer Leine herumgeführt.

Entsprechend vorsichtig ging ich an die gesamte Situation heran. Sean nahm mir aber schnell alle Angst und erklärte einige Grundzüge des Reitens. Also aufgestiegen – mit Tritt natürlich und ein wenig „eingesessen“. Dann ging es auch schon los.

Hopp, hopp meine Pferdchen

Erstaunlicherweise mussten wir selber die Zügel in die Hand nehmen. Das war etwas beängstigend und erforderte doch mehr Konzentration als erwartet. Dabei sieht das immer so leicht aus im Fernsehen.

Die Pferde kennen die Strecke natürlich und wissen, wo sie lang müssen. Das konnte man vor allem daran merken, dass den Tieren unsere Kommandos recht egal waren oder sie nur sehr träge darauf reagierten. Sean meinte dazu nur, dass wir den Tieren zeigen sollten, wer hier das Kommando habe. Leichter gesagt als getan, bei solch riesigen und kräftigen Tieren. Als Tina einmal meinte, dem Pferd jetzt mit Nachdruck zu zeigen, wer der Boss ist, hat sich das Tier einfach in einen zackigen Trab begeben. Tina ist vor Angst fast gestorben und die Hierarchie war schnell wieder hergestellt.

Gefühlt hatte ich den Dreh irgendwann raus, während Tina immer mal wieder an eine Wand oder einen Außenspiegel aneckte. Vermutlich wird sie das aber in einem Kommentar leugnen.

Alles in Allem war es aber eine wunderschöne Erfahrung. Wir sind einem kleinen Flusslauf gefolgt und am Fuße des Mount Brandon lang geritten. Wir bekamen dabei einen Vorgeschmack auf den morgigen Tag und freuten uns schon auf die raue Natur. Während des gesamten Ausritts trafen wir keine Menschen Seele, durchquerten einen Fluss und eine Brücke.

Für Anfänger wohl nicht schlecht. Sean bejahte das natürlich und meinte, es gäbe schlimmere Anfänger.

Noch einmal nach Dingle

Rita hatte bei unserer Rückkehr aber schlechte Nachrichten. Es gab keinen Pub und auch kein Restaurant in fußläufiger Entfernung. Aber sie bot an, dass sie uns nach Dingle fahren konnte.

Da uns Dingle Town eigentlich recht gut gefallen hat, nahmen wir das Angebot an. Es war aber erschreckend zu sehen, dass wir sieben Tage um die Insel gewandert sind, um dann mit dem Auto in zehn Minuten zurück in Dingle zu sein.

Am Hafen prüften wir kurz ob der Dingle Delfin Fungi noch da ist, denn erstaunlicherweise bekommt man, wenn man nach ihm googelt als eine der ersten Einträge „Dingle Fungie dead?“ (Dingle Delfin Fungie ist tot?) heraus.

Dann suchten wir uns ein kleines Restaurant in einer Seitenstraße heraus und hatten ein sehr gutes orientalisch-französisches Abendessen bei Wein und Cider. Danach dann noch ein frisches Guinness in einem Pub um die Ecke. Leider trat der gleiche Gitarrenspieler wie am ersten Abend in Dingle auf. Also gab es wieder recht experimentelle Musik.

Disco in Dingle?!

Gegen ungefähr 22 Uhr passierte dann etwas Merkwürdiges. Lauter leicht bekleidete und junge Mädchen strömten in den Pub und verschwanden in den hinteren Räumlichkeiten. Es wurden immer mehr und als das ca. 60. Mädchen an uns vorbei lief, wurden wir neugierig.

Die Kellnerin verriet uns dann, dass es im hinteren Teil eine Diskothek gibt und die jungen Leute dorthin entschwanden. Und da es die einzige Diskothek jenseits von Tralee war, zog sie entsprechend viele junge Menschen an. Wieder ein Rätsel auf der Dingle Halbinsel gelöst.

Ab nach Hause und ins Bettchen

Völlig ermüdet und leicht angetüdelt suchten wir uns ein Taxi und fuhren los ohne den Preis vorher zu verhandeln. Aus unseren Reiseerfahrungen wussten wir, dass dies eigentlich ein kapitaler Fehler sein kann. Hier in Irland war es aber nicht so. Der Preis war angemessen für die Distanz und entsprach dem, was uns Rita bereits vorher genannt hatte.

Wo sonst die Taxifahrer auf der Welt doch eigentlich immer versuchen Touristen abzuziehen, war dies eine schöne Ausnahme. Und passte damit auch wunderbar in das Bild der irischen Gastfreundschaft.

Noch ein Guinness

Und eine kleine politische Diskussion über den Brexit und dessen Folgen. Jim und Rita saßen bei unserer Rückkehr im Wohnzimmer und luden uns noch auf ein Guinness ein. Müde, aber trotzdem noch durstig sagten wir zu und schnell kamen wir ins Gespräch.

Jim war zwar kaum verstehen – eher ein Murmeln als Sprechen, aber Rita „übersetzte“ oft für uns. Wie so oft landen Gespräche schnell beim politischen und wir erfuhren, wie  schwer der Brexit es der Annäherung von Nordirland und Irland machen wird.

Es wurde Jahrzehnte dafür gekämpft, dass die Grenzübergänge wegfielen und nun würde durch den Brexit erneut eine Grenze notwendig werden.

Hoffen wir einmal, dass die irische Gesellschaft im Norden und dem Rest hier einfach eine rettende Idee abseits der Politik in Brüssel und London findet. Eine pragmatische und menschennahe Lösung eben, um den erloschenen Konflikt nicht erneut auflodern zu lassen.

Dann fielen wir aber auch schon hundemüde ins Bett und schliefen ein und zwar in gespannter Erwartung des nächsten Tages, der der härteste der ganzen Wanderung werden sollte…

Alle Artikel zu unserem Irland Wanderurlaub

 

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