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Tag 08 – Mount Brandon und die Höhenmeter

Tag 08 – Mount Brandon und die Höhenmeter

Auf dem Berg von dem aus Amerika entdeckt wurde…

Mount Brandon – unsere persönliche „Hölle“

Nach einem kräftigenden Frühstück sollte es dann auch schon losgehen. Die Strecke sollte über den Mount Brandon führen und danach an der Straße entlang über Cloghane nach Benoskee gehen.

Die Gesamtstrecke wären rund 28 km gewesen, aber Rita hatte angeboten, uns ein paar Kilometer bis zum Fuß des Mt Brandon mitzunehmen. Dieses Angebot haben wir dann auch angenommen und uns fahren lassen. Dadurch haben wir zwei Kilometer eingespart.

Für die Überquerung wollten wir nicht über den höchsten Punkt (über 900 Höhenmeter) wandern, sondern quasi am Gipfel vorbei.

Am Fuße des Mt Brandon

Als wir auf dem Parkplatz standen und von unten auf den Mount Brandon guckten, wurde es schon ein wenig mulmig. Wollten wir da wirklich hoch? Hatten wir jetzt überhaupt noch eine Wahl? Rita und Jim verabschiedeten sich herzlich und verschwanden auch wieder schnell.

In der Ferne sahen wir einen einsamen Wanderer den Berg hochlaufen. Wir wussten von Rita, dass es sich dabei um einen Cousin von Jim handeln sollte. Naja, in so kleinen irischen Dörfern sind wahrscheinlich fast alle auf irgendeine Art verwandt oder verschwägert.

Wir schulterten unsere Rucksäcke und zogen alle Gurte fest. Mit einem leisen Seufzen setzten wir uns dann auch in Bewegung. Am Anfang wirkte der Weg noch flach und endlos lang, aber das sollte sich schnell ändern.

Der steile Weg nach oben

Mt Brandon wurde steiler und steiler und jeder Schritt viel uns schwerer. Mittlerweile waren schon gute 1,5 Stunden vergangen und gefühlt hatten wir gerade einmal 180 Höhenmeter geschafft. Immer mehr Pausen wurden notwendig, der Schweiß lief in Strömen und das Reden wurde zum Luftsparen auf das Nötigste beschränkt.

Jeder Schritt fühlte sich an, wie auf einer unebenen Treppe. Mit jedem Meter sanken die Moral und der Willen weiterzugehen. Das ein oder andere Mal waren wir verlockt einfach liegen zu bleiben. ZU mindestens für ein Stündchen oder so…

Natürlich ging das nicht. Wir hatten nach der Überquerung vom Mount Brandon ja noch gute 15 km Wanderung vor uns. Aber dafür müssten wir es auch erst einmal hinüber schaffen.

Mount Brandon 1
Mount Brandon 2
Mount Brandon 3

Mount Brandon quält uns bis zum Schluss

Jims Cousin kam uns dann nach einer Weile wieder entgegen und wir kamen kurz ins Gespräch. Immerhin hatte Rita uns den Auftrag gegeben ihn zu grüßen. In der Zeit, in der wir die Hälfte des Aufstiegs hinter uns gebracht hatten, war er einmal rüber gelaufen und nun wieder auf dem Rückweg.

Unglaublich, wie fit der Mann noch war. Aber vermutlich war er auch im Training. Und siehe da, er erzählte uns, dass er dies eigentlich jedes Wochenende machen würde. Mit 78 Jahren!!!

Da fühlt man sich dann doch gleich einmal „unfähig“. Aber was soll’s, jetzt waren wir gefangen und zwangen uns weiter zu gehen. Wir bekamen auch endlich einen ersten Vorgeschmack der Aussicht auf dem Gipfel.

Links von uns erstreckte sich der Ozean und es gibt eine Geschichte über den Mt Brandon:

Angeblich hat der Mönch ST. Branden vom Berggipfel aus den nordamerikanischen Kontinent entdeckt.

Endlich: Der Gipfel oder eine geile Aussicht vom Mount Brandon

Nach gefühlten Tagen – eigentlich waren es nur knappe 3 Stunden kamen wir endlich auf dem Gipfel an und mir fehlen ehrlich gesagt die Worte, es zu beschreiben.

Dieses Gefühl, es geschafft zu haben, Mount Brandon bezwungen zu haben. Unbeschreiblich. Glücklich über den Erfolg, beeindruckt über die Aussicht und Stille legten wir eine längere Rast ein.

In alle Richtungen konnte man die gesamte Dingle Halbinsel einsehen. Wir hatte unheimliches Glück mit dem Wetter, denn es war ein sonniger Tag ohne Bewölkung.

Mount Brandon 6
Mount Brandon 5
Mount Brandon 4

Abstieg am Mt Brandon

Der Abstieg war extrem steil und mit lockeren Steinen gesät. Jeder Schritt musste wohl überlegt sein. Mich hätte es beinahe zweimal gelegt. Vor allem mit dem Rucksack und ganzen Gerödel unterschätzt man das leicht.

Der schwierige Teil des Abstiegs dauerte vielleicht 30 Minuten, aber wir bewegten uns auch extrem vorsichtig. Danach ging es dann flach immer weiter nach unten. Immer dem Dingle Way Schildern folgend ging es dann über moosartigen Boden.

Der Berg ist anscheinend von Flussläufen durchzogen, teils unterirdisch und dadurch ist der gesamte Bereich matschig, nass und extrem nervig. Mehrere Male sind wir knöcheltief im Matsch versunken bzw. sind, ohne es zu ahnen, eingesunken. Gummistiefel wären für den Teil der Reise angebracht.

Ewige Straße durch den Torf

Wir landeten auf einer kleinen staubigen Straße vorbei an Torffeldern. Der gesamte Bereich rechts und links von uns war Moor und man konnte auch den einen oder anderen Iren beobachten, wie er Torf stach.

Natürlich war ich so clever und hatte an der letzten Raststation meine Sonnenbrille liegen lassen. Was dazu führte, dass ich lockere 1,5 km hin- und herlaufen durfte. Tina nutze die Zeit, um die Füße hochzulegen und die Sonne zu genießen.

Gefühlt liefen wir ewig in dieser kargen Landschaft um dann auf einer Straße zu landen. Mittlerweile taten uns die Füße weh und die ersten „schweren“ Erschöpfungszustände traten auf. Uns ging das Wasser aus und wir hatten noch gute 15 km vor uns.

Wir einigten uns darauf, dass wir in Cloghane einen Mittagsstop einlegen würden und dann evt mit dem Taxi weiter fahren wollten. Je nach Gefühlszustand eben.

Mt Brandon 1
Mt Brandon 2
Mt Brandon 3

Ein kurzer Zwischenstopp

Mit schmerzenden Füßen erreichten wir dann endlich Cloghane und fanden auch gleich einen geöffneten Pub. Was ich nicht wusste, dass dieser Pub auch ein B&B gewesen wäre. Hier zeigt sich wieder, dass entweder eine bessere Planung oder eben mehr Spontaneität gefragt gewesen wären.

Anfang Mai als Reisezeit für den Dingle Way ist Spontaneität absolut kein Problem. Wir hätten in jedem B&B anklopfen können und hätten ein Zimmer bekommen. Anfang Juni mag das aber schon wieder total anders aussehen. In der Saison ist es wohl super voll auf der Halbinsel.

Wir stärkten uns auf jeden Fall mit superleckerem Beef & Guinness Pie – wirklich gut! Dazu dann noch zwei Pint und wir waren so verrückt, uns weiter zu Fuß auf den Weg zu machen. Mein Fazit hierzu ist: Der Körper braucht Ruhetage und man muss wissen, wann es genug ist.

Hotel in Sicht!

Die letzten Kilometer waren ein Kampf gegen den eigenen Willen. Jeder Schritt viel schwer, alles schmerzte und irgendwo rieb sich irgendetwas wund. Die Stimmung war am Boden und wir begannen mittlerweile sogar uns ein wenig anzuzicken, so dass wir mit einigen Metern Abstand weiterliefen.

Das Benoskee B&B war nett gelegen und unser Zimmer hatte Meerblick. Lediglich die Besitzerin, Mary, war ein wenig „anstrengend“. Ich denke, sie meinte es nur gut, aber nach diesem Tag wollten wir nur noch unsere Ruhe haben. Und Mary ist eine sehr freundliche und sehr gesprächige Persönlichkeit.

Was mir jedoch positiv in Erinnerung geblieben ist, war das Frühstück. Mary kam mit einer Karte und meinte wir müssten heute schon bestellen und das taten wir dann auch. Ich will nicht zu viel spoilern, aber: Es war das BESTE Frühstück der gesamten Reise.

Mt Brandon 4
Mt Brandon 5
Mt Brandon 6

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