Tag 05 – Great Blasket & ein gefährlicher Marsch

The Great Blasket

Tina mit Blick auf The Great Blasket im Blasket Centre

The Great Blasket – Eine Insel mit Geschichte

Nach einem typischen irischen Frühstück – Ja, Lachs mit Rührei – packten wir dann auch schon recht schnell unsere Sachen und wollten uns auf den Weg machen um The Great Blasket anzuschauen.

Wir standen bereits zum Sonnenuntergang am Pier zur Blasket Ferry, also der Fähre zur Hauptinsel der Blasket Islands. Der Pier ist klein, steil und einfach aus Zement gebaut. Die Anfahrt mit dem Boot ist bei windigen Wetter unmöglich, was bedeutet, dass die Fähre an vielen Tagen einfach nicht fahren kann.

The Great Blasket ist noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts von den ursprünglichen Bewohnern, bzw. deren direkten Nachkommen bewohnt gewesen, in den 1950ern haben sich die letzten paar Anwohner der Insel allerdings evakuieren lassen, da sie dort keine Zukunft mehr sahen.

Der B&B Betreiber hat uns empfohlen in das Blasket Centre zu gehen und uns dort weiter zu informieren. Da es auch noch direkt auf unserer 10 km Wanderroute nach Ballyferriter.

Das Blasket Centre

Hätte man sich vorab eine sog. Ireland Heritage Card besorgt, hätte man das Blasket Centre kostenlos besuchen können. Hier mache ich mir mal ein Memo an mich selbst bezüglich Recherche. Normalerweise organisiert Tina ja unsere Reisen, da wäre das nicht passiert. Wir zahlten dann den Eintritt trotzdem, immerhin wollten wir nun wissen, was es mit den Blasket Islands auf sich hat.

Das Museum war erstaunlich modern gestaltet. Ich meine gefühlt ist man hier am Ende der europäischen Welt und nur noch einen Steinwurf von New York entfernt. Und dann steht man auf einmal in einem sehr modern gestalteten Museum. Die Iren nehmen ihre Tradition und Geschichte sehr ernst. Immer wieder begegneten uns Monumente zur Unabhängigkeit, der ersten IRA oder eben solche Museen.

Ein langer und sehr heller Gang führte auf eine Bank mit einer Verglasung hin. An den Wänden hingen Fotos der berühmtesten Bewohner von The Great Blasket. Die Insel brachte erstaunlich viele (erfolgreiche) Schriftsteller hervor und die berühmteste Sammlung ist wohl „An tOileánach“ („The Islandman“ bzw. „Die Boote fahren nicht mehr aus“).

Unser Whiskey und Bier Guide drückte es mit den Worten aus: „Dunkle, regnerische Tage und viel Alkohol können nur Poeten und Schriftsteller hervorbringen!“.

Die Lebensumstände und die Evakuierung

Das Leben auf der Insel war knallhart. Junge Menschen wurden in die Ferne gezogen und so starb die Insel langsam aus. Am Ende wurden die letzten 22 Menschen evakuiert und die Gebäude verfielen Stück für Stück.

Trotz vieler Gerüchte waren die Bewohner aber absolut weltoffen. Reisende kamen nach The Great Blasket um die irische Sprache zu erlernen. Im Museum gab es dazu Wortspiele und Tafeln, die den Hintergrund der verschiedenen Sprachstämme erklärten.

Die (meist) männlichen Bewohner reisten auf der gesamten irischen Insel herum und viele trieb es sogar in die Ferne. New York war auch auf den Blaskets ein beliebtes Auswandererziel für junge Menschen.

Die Insel lebte aber zum Großteil vom Tauschhandel und der Schafzucht. Es gab eine kleine Schule mit wenigen Kindern und verschiedenen Lehrerinnen.

Am Ende konnte die Insel aber nicht mehr gehalten werden. Zu viele alte Menschen, welche kaum noch in der Lage waren, sich selber zu versorgen. Heute ist die Insel Teil des Museums und kann mit der Fähre (Blasket Island Ferry) besichtigt werden.

Fun Fact über The Great Blasket

Nirgends wird auch nur mit einem Wort erwähnt, dass es in den 80er Jahren eine Gruppe von deutschen Aussteigern auf die Insel getrieben hat. Dort sollen sie vom Fischfang und der Kaninchenjagd gelebt haben.

Leider konnte ich dazu nirgends etwas finden. Lediglich der deutsche Wikipedia Artikel über die Blasket Inseln spricht darüber.

Weiter geht es in Richtung Ballyferriter

Nach der Besichtigung wollten wir uns dann auf den Weg machen, als uns eine Wanderkarte im Blasket Centre ins Auge stach. Es gab einen eigenen Blasket Trail an den Küsten entlang und er lag auch noch auf unseren Weg. Eigentlich als Rundwanderweg gedacht, konnten wir ungefähr die Hälfte davon ablaufen und würden nur minimal Zeit verlieren.

Für uns ein No Brainer und so liefen wir dann auch los. Viele Farmer haben hierfür ihr Land zur Verfügung gestellt und mit Treppen gelangt man über die Zäune. Entsprechend pfleglich sollte man auch umgehen. Wobei dies eh eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

An den Klippen mit Blick auf die Blasket Inseln liefen wir nun weiter, bis wir auf ein verlassenes Gebäude trafen. Angeblich als gefährlich gekennzeichnet konnten wir es aber dennoch nicht lassen, das Gebäude aus der Nähe zu betrachten. Vermutlich handelte es sich hierbei um ein altes Unterkunftsgebäude für die Schäfer. Auf jeden Fall bot es eine schöne Fotokulisse.

Das klippige Gelände war wunderschön anzusehen und wir blieben öfter stehen, als wir es eigentlich wollten, um einfach in dieser traumhaften Landschaft innezuhalten. Die Einsamkeit (naja, Zweisamkeit), das Meer und die Landschaft sind wirklich beeindruckend. Wie schon geschildert waren wir ja quasi Off Season unterwegs und sind wirklich auf keine anderen Wanderer gestoßen. Das gab uns das richtige Irland Feeling.

Zwischenstopp in der Töpferei

Der Wind blies uns kräftig um die Ohren und trotz des Sonnenscheins waren wir durch. Uns war kalt, der Wind hat in jede Ritze der Kleidung gepustet und wir wollten etwas Essen. Unser Glück folgend verließen wir den Blasket Trail und trafen auf eine große Töpferei mit Restaurant.

Dort gab es neben Suppe und Sandwiches auch einen Cappuccino für uns beide. Auch wenn die Töpferware uns nicht wirklich gefallen hat, ist es doch beeindruckend, was menschliches Handwerk so kreieren kann.

Da das Essen aber erstaunlich gut war und die Atmosphäre im Geschäft sehr nett und familiär empfehlen wir einen Zwischenstopp vorbehaltlos.

Ballyferriter, unser Hotel und ein außerordentliches Abendessen

Wir erreichten Ballyferriter zum späten Nachmittag. Es waren letztendlich auch nur knappe 10 Kilometer zu laufen. Durch das klippige Gelände hatten wir etwas Zeit verloren, aber das war alles noch im Rahmen und den Zeitverlust mehr als Wert. Der Wind pfiff immer noch, aber gestärkt war das dann nur noch eine Kleinigkeit.

Das Hotel lag in der kleinen Stadt Ballyferriter (wirklich klein). Dort gab es gegenüber zwei Pubs und das Hotel hatte ebenfalls einen eigenen Pub. Es war ein richtiges Hotel, da kein B&B mehr verfügbar war.

Die Zimmer waren geräumig und wir hatten eine Badewanne (!!!). Leider war das Frühstück richtig, richtig schlecht – aber dazu dann am nächsten Tag mehr. Dadurch würde ich das Hotel als die schlechteste Unterkunft des gesamten Trips bezeichnen.

Wir ruhten uns aus und während Tina Yoga zur Entspannung machte, flüchtete ich mit einem Buch in die Badewanne. Ihr glaubt gar nicht, wie gut sich so ein Bad anfühlen kann.

Frisch gemacht gingen wir dann in den direkt gegenüberliegenden Pub und bekamen exzellentes Abendessen. Tina hatte Fischtartar und ich irisches Rindsteak. Ehrlich gesagt rechnet man ja in so einem kleinen Dorf eher mit Hausmannskost. Aber das hier war eine sehr angenehme Überraschung. Das Essen hätte auch in einem Top Restaurant in Dublin oder Rom auf den Tisch kommen können. Wirklich klasse Küche – und dann noch mitten auf dem Dingle Way, eigentlich im Nirgendwo.

Dazu natürlich Guinness und wohlige Pubatmosphäre. Leider haben auf dem gesamten Trip nie sehr lange durchgehalten und haben dann nach dem zweiten Bier den Feierabend eingeläutet.

Erschöpft, aber glücklich über die Eindrücke des Tages schliefen wir ein. Wie bereits erwähnt war das Frühstück am nächsten Tag echt mies und machte uns ein wenig zu schaffen. Dazu aber im nächsten Artikel mehr…

 

Martin

Ex-Polizist, gebürtiger Berlin und Vielflieger. Fernbeziehung auf der einen Seite und alleinerziehender Vater sein als Gegengewicht. Work Life Balance kenn ich nicht ;-) . Möchtegern Finanzexperte und Beginner auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Träumer und Ideenschmied. Immer unter Strom und schnell gelangweilt. Ansonsten aber ein recht netter Mensch.

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