ᐅ Delfine, Seelöwen und Kurioses - Tag 23

Delfine, Seelöwen und Kurioses – Tag 23


Delfine, Seelöwen und Kurioses
- von Tina

Delfine Seelöwen und Kurioses mobil

Geheimtipp Curio Bay - Begegnung mit Hector-Delfinen

Dank des frühen Zubettgehens sind wir am nächsten Morgen recht früh aufgewacht und konnten so noch weit vor den anderen Campern vom Campingplatz aufbrechen. Weit sollte es nicht gehen, denn ein bisschen Recherche im Internet hat uns herausfinden lassen, dass in der Nachbarbucht eine Herde wilder Delfine wohnhaft sein sollte. Angeblich bekommt man die morgens immer beim Spielen in der Bucht zu sehen.

Hector Delfine in der Curio Bay

So machten wir uns also auf zur Curio Bay. Vor dem dortigen (kostenpflichtigen) Campingplatz gibt es ausreichend Parkplätze und wir stellten unseren Camper dort ab, schnappten uns Kamera und Fernglas und stapften los zur Bucht. Allerdings waren wir uns erst gar nicht sicher, welche Bucht, denn das tolle Spektakel beherbergen sollte. Zu unserer linken war eine relativ große, aber geschützte Bucht mit breitem Sandstrand. Rechts war es eher offen mit felsiger Steilküste. Gesehen haben wir zunächst an beiden Stellen rein gar nichts.

Martin war schon ein bisschen genervt und wollte gehen, aber zum Glück bestand ich darauf, noch ein wenig zu bleiben und aufs Wasser zu schauen. Und da kam sie, die erste Rückenflosse. In der linken, strandigen Bucht kamen sie: eine ganze Herde Hector-Delfine. Hector-Delfine sind eine der kleinsten und seltensten Delfin-Arten der Welt. Nur in Neuseeland gibt es zwei Populationen, eine davon eben hier, in der Curio Bay.

Schwimmen mit wilden Delfinen

Nachdem wir dem Treiben eine Weile von unserer kleinen Anhöhe aus zugeschaut haben, machten wir uns auf den Weg zum Strand. Inzwischen sind einige Strandbesucher auf die Delfine aufmerksam geworden, aber es war eine absolut überschaubare Anzahl von Menschen. Einige waren mutig und sind ab ins Wasser. Die Delfine waren mega verspielt und kamen den Menschen ganz nah, es war ein zauberhaftes Schauspiel. Auch Martin und ich standen mit den Füßen im eiskalten Wasser und waren total gebannt. 

Martin mit seinen langen Beinen konnte natürlich viel tiefer reingehen als ich, aber das war ihm irgendwann nicht mehr genug. Mit entschlossenem Gesicht kam er irgendwann wieder raus, ging an mir vorbei und sagte: „Ist mir egal, ich geh da jetzt in Unterhose rein!“ - Ich muss sagen, ich war ziemlich überrascht, da das Wasser echt schweinekalt war. Gesagt, getan, Martin schmiss sich tatsächlich in Unterhose in die kalten Wellen und war sofort im Zentrum der Aufmerksamkeit zweier noch sehr junger Delfine, die um ihn herum spielten. Ich konnte echt nur noch staunen und jauchzen als ich das beobachtet habe.

Hector Delfine in der Curio Bay
Hector Delfine in der Curio Bay

Irgendwann habe ich dann meine Kamera an den Strand zu Martins Sachen gelegt und habe mich mit Klamotten auch in die Wellen geschlagen. So im Nachhinein ist das schon eine ziemlich verrückte Aktion, einfach komplett angezogen ins 15 Grad kalte Meer hineinzurennen, aber es war es absolut wert! Die Hector-Delfine in der Curio Bay sind wahnsinnig neugierig und sehr verspielt. Wenn man die Gruppe näher beobachtet, sieht man, dass die erwachsenen, größeren Tiere alle ein wenig auf Abstand bleiben und eher beobachten. Die jüngeren, kleineren Delfine aber zeigen überhaupt keine Scheu. Vielmehr noch: Sie hätten so viel leeren Platz in der großen Bucht, aber gehen gezielt in die Menschengruppen und interagieren dort. Ein einmaliges Erlebnis, wer so etwas gesehen hat, will sicher nie wieder einen Delfin in Gefangenschaft sehen.

Es geht noch absurder: Lost Gypsy Art Gallery 

Irgendwann, als wir unsere Gliedmaßen schon nicht mehr gespürt haben, sind wir dann raus aus dem Wasser und haben uns für ein paar Dollar auf dem Campingplatz erst einmal eine heiße Dusche gegönnt. Danach haben wir uns mit unserem am Vorabend vorbereiteten Frühstück auf einen Hügel gesetzt und den Delfinen noch ein wenig von Weitem zugeschaut, bevor es letztendlich doch weiterging. Das Tagesziel hieß Dunedin, wo ich auf der Fahrt einen Campingplatz gebucht habe. Wir haben nicht recherchiert, was es unterwegs so geben sollte, sondern sind einfach mal ins Blaue losgefahren. Und so kam es, dass wir an der Lost Gypsy Art Gallery vorbeikamen und einfach mal angehalten haben.

Von der Demolition World am Vortag haben wir ja schon einen kleinen Vorgeschmack auf die Liebe der Neuseeländer zu allerhand Kuriositäten bekommen. Diese Galerie hat das allerdings noch einmal getoppt. Der Künstler Blair Sommerville hat hier allerhand selbstgebaute kleine Kunstwerke ausgestellt, die zu beschreiben ziemlich schwer ist. Es sind hauptsächlich kleine Automaten oder Kunststücke, die mechanisch etwas machen, wenn man z.B. eine Kurbel dreht oder einen Knopf drückt. 

Die Lost Gypsy Art Gallery
Kurioses in der Lost Gypsy Gallery

Die Gallerie befand sich in einem alten Bus und war kostenlos. Für einige außergewöhnlichere Ausstellungsstücke muss man 5 NZD Eintritt zahlen, diese sind dann in einem Garten und einem kleinen Häuschen ausgestellt. Wir haben den Eintritt gern gezahlt und es nicht bereut, denn die Kreativität und wahrscheinlich auch nervige Fitzel-Arbeit, die in die Erstellung dieser kleinen Meisterwerke geflossen sein muss, ist echt beeindruckend. Ein toller Stopp auf der Fahrt und sicher auch sehr nett, wenn das Wetter mal nicht mitspielt.

Nächster Geheimtipp - Seelöwen in der Cannibal Bay

In der nächsten Stadt gab es dann endlich wieder Handynetz und wir stellten uns an eine Tankstelle, um mal unsere Nachrichten abzurufen. Ein Mechaniker hat uns angesprochen, ob wir auf einen Termin in der Werkstatt warten würden und als wir verneinten, kamen wir ein wenig ins Gespräch. Er empfahl uns, die Hauptstraße hinter der Stadt zu verlassen und auf einer Schotterpiste Richtung Strand zu fahren, denn da lägen immer Seelöwen rum und es sei menschenleer.

So ein Tipp war natürlich genau nach unserem Geschmack und so machten wir uns auf zur Cannibal Bay. Der Weg dahin war tatsächlich eher eng und abenteuerlich aber letztendlich haben wir ihn gut gemeistert und stellten den Camper am Eingang zum Strand ab. Wir schnappten uns die Kamera und das Fernglas und marschierten los. Irgendwie konnte man zwar die Seelöwen riechen, aber zunächst haben wir keinen gesehen. Von unserem Südafrika-Trip geprägt haben wir erwartet, die Seelöwen auf den Felsen am Rand des Strandes zu sehen. Da waren aber keine. Stattdessen liefen wir also wieder am Strand lang und sind fast über einen riesigen fetten Seelöwen gestolpert, der am Strand rumlag und schlief. Bis auf wenige Meter hin sah er echt aus wie stinkendes Treibholz, aber nicht wie ein Tier. 

Seelöwen in der Cannibal Bay
Seelöwen in der Cannibal Bay

Weiter unten lag dann ein weiterer, etwas kleinerer Seelöwe, der leichter zu erkennen war. Leider haben sich beide nicht sehr fotogen gezeigt, sondern hauptsächlich am Strand rumgelegen und die Fliegen abgewehrt. Seelöwen gehen wohl für mehrere Woche raus aufs Meer zum Jagen und Fressen und kehren dann relativ erschöpft zum Strand zurück, wo sie für einige Tage wieder zu Kräften kommen und sich nicht viel bewegen. Wir haben uns nach den Delfinen am Morgen jedenfalls noch einmal sehr über das Wildlife in der Cannibal Bay gefreut und bis auf ein anderes Paar waren wir dort auch noch komplett alleine!

Letzte Nacht im Camper - Dunedin

Am frühen Abend trafen wir dann endlich am Tagesziel in Dunedin ein. Nach einigen Tagen Freedom Camping war der relativ volle Campingplatz in der Stadt doch wieder ein ganz schöner Kontrast. Aber wir würden lügen, würden wir behaupten, dass wir die heiße Dusche vor dem Zubettgehen nicht genossen hätten. Beim Schlafengehen ist uns dann schmerzlich bewusst geworden, dass dies schon die letzte Nacht in unserem Camper sein sollte. Zwar hatten wir noch zwei Nächte in Neuseeland vor uns, für die letzte auf der Südinsel hatten wir uns jedoch eine ganz besondere Unterkunft gesucht und für die Nacht vor dem Aufbruch hatten wir uns ein Flughafenhotel genommen. Dazu dann aber beim nächsten Mal mehr.

  • Dunedin Holiday Park - großer, aber schön angelegter Campingplatz mit großen Duschen
  • In den Catlins sollte man unbedingt die Locals, z. B. an Tankstellen, fragen, wo man gut Wildlife sehen kann.
  • unglaublich, aber wahr: An diesem Tag haben wir nur Selbstgemachtes im Camper gegessen 🙂
Tina

Reisefan, Möchtegern-Travelhacker und seit neun Jahren Expat in verschiedenen asiatischen Ländern. Ein dauerhaftes Leben in Deutschland kann ich mir momentan gar nicht mehr vorstellen, aber es wäre gelogen, zu sagen, dass mir Döner und Currywurst nicht fehlen. Der große Schritt, die Festanstellung hinter mir zu lassen und mich vollends ins digitale Nomadentum zu stürzen, steht mir noch bevor, daher freue ich mich, gemeinsam mit unseren Lesern neue Möglichkeiten zu entdecken.

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