Wellington und die Überfahrt auf die Südinsel- Tag 14 & 15


Wellington und die Überfahrt auf die Südinsel
- von Tina

Wellington und die Überfahrt auf die Südinsel

Wellington - unsere letzte Etappe im Norden

Früh am Morgen machten wir uns von unserem Schlafplatz, dem Parkplatz der Taverne in Wimbledon auf nach Wellington. Nicht aber, ohne einen Frühstücksstopp am nahegelegenen Strand in Herbertville einzulegen. Wir parkten unsere Autos in direkter Nähe zum Meer und machten es uns mit Müsli, Kaffee und einem genialen Ausblick gemütlich.

Strand in Herbertville

Die raue Stimmung zusammen mit der einsamen Landschaft haben uns sehr beeindruckt und wir nutzten die Gelegenheit gleich noch für ein paar Foto- und Drohnenaufnahmen. Neuseeland ist einfach ein Paradies für jeden Foto- und Videografen und man tut gut daran, immer etwas Extrazeit für seine Aufnahmen einzuplanen. Wir verbringen an einer Stelle manchmal gut und gerne 40 bis 60 Minuten, bis wir die perfekte Aufnahme im Kasten haben.

Weiter ging es dann über die Autobahn Richtung Wellington. Einen kleinen Stopp zum Mittagessen und Arbeiten am Laptop machten wir jedoch in Shannon. Das gestaltet sich bei Überlandfahrten in Neuseeland eigentlich immer recht einfach, da die Fernverkehrsstraßen meist auch die Hauptstraßen in den kleinen Örtchen sind und somit die meisten Restaurants direkt an der Straße liegen.

Kein Camping in Wellington

Wir hatten zunächst tatsächlich in Betracht gezogen, in Wellington zu campen. Immerhin haben wir unseren gemütlichen und recht großen Camper, warum also nicht. Leider war es aber unmöglich, in der Innenstadt einen Campingplatz zumindest mit Toilette zu finden, von Duschen ganz zu schweigen. Da für Martin und mich klar war, dass wir in Wellington auf jeden Fall die Barszene erkunden wollen, war ein Campingplatz außerhalb keine Option. Kurzerhand buchten wir uns also ein Motel mitten in der Innenstadt und haben dies nicht bereut.

Weil mein Bruder noch mit uns unterwegs war, nahmen wir ein Apartment mit zwei Schlafzimmern. Das Bad kam mit einem Whirlpool und wir hatten einen großzügigen Wohnküchenbereich. So sehr wir das Camperleben mögen, so sehr haben wir doch diesen Komfort in vollsten Zügen genosssen. Und das Beste: die belebtesten Straßen Wellingtons lagen alle fußläufig zu unserer Wohnung.

Ähm, ist das wirklich die Hauptstadt?

So machten Martin und ich uns also an diesem Samstagabend gegen 21.30 Uhr munter auf den Weg, um die Barszene Wellingtons ein wenig zu erkunden. Begonnen haben wir in einem Geheimtipp, der Hawthorn Lounge in der Tory Street. Die Bar hat ein absolutes Speakeasy Flair und wird ihrem Anspruch, an einen Gentlemen’s Club der 20er Jahre zu erinnern, sehr gerecht. Als wir kamen herrschte jedoch irgendwie schon Aufbruchstimmung und wir hatten das Gefühl, die wirkliche Party geht woanders ab.

Also machten wir uns weiter und landeten, wie sollte es bei uns auch anders sein, in einem Irish Pub. J J Murphy & Co macht auf dem Papier alles richtig, um ein ordentlicher Irish Pub zu sein. Gemütliche Inneneinrichtung, annehmbare Live-Band, frisches irisches Bier vom Fass (allerdings kein Guinness…). Trotzdem fühlten wir uns nicht so richtig wohl. Ob das an dem unfreundlichen Bar-Personal lag oder an der Tatsache, dass wir irgendwie das Durchschnittsalter arg in die Höhe trieben, können wir schwer sagen.

Also machten wir uns auf zum nächsten Irish Pub für ein wirklich letztes Bier. Allerdings wurden wir bei dem von uns angesteuerten Jack Hackett’s Irish Pub direkt an der Tür abgewiesen. Um 00.30 Uhr an einem Samstag in der Hauptstadt eines Landes war das schon irgendwie schockierend. Man verwies uns eine Tür weiter, wir haben gedacht, das wäre ein anderer Zugang zum Pub. Aber wir landeten völlig unvermutet in einer Dachterassenbar namens Dirty Little Secret. Diese hatte ein wirklich cooles Flair, mit Live DJ und einer gut sortierten Bar. Aber auch dort hieß es bereits „Last order!“ als wir hereinkamen. Insgesamt doch eher ein ernüchternder Eindruck der Partyszene in Wellington.

Katerfrühstück auf dem Harbourside Market in Wellington​​​​

Das wurde aber wieder gut ausgeglichen durch den echt tollen Markt, der jeden Sonntag in Wellington an der Harbourside stattfindet. Nicht nur wurden wir mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein begrüßt, auch freuten wir uns riesig über die große Auswahl an Essensständen mit lokalen Produkten, verarbeitet in internationaler Küche. So gab es für meinen Bruder seinen heißgeliebten Langosz und für Martin und mich endlich mal wieder gut gewürztes indisches Essen.

Hummus auf dem Harbourside Market

Danach spülten wir uns mit einem starken Espresso noch die letzten Nachwehen aus den Gliedern und wir waren fit, um noch ein wenig auf dem Markt zu schlendern und anschließend ins Te Papa Museum zu gehen.

Das Te Papa - ein wahres Juwel unter den Museen

Wir haben sehr gezögert, ob wir wirklich ins Te Papa Museum gehen sollen. Nicht weil wir Zweifel an dessen Qualität hatten, aber es war einfach so ein schöner Sonnentag, will man da wirklich ins Museum? Letztlich überzeugt hat uns die Nähe zum Harbourside Market, wo wir ohnehin waren, und der freie Eintritt.

Skulptur im Te Papa Museum

Und was sollen wir sagen - wir haben es kein bisschen bereut. Das Te Papa geht in verschiedenen einzelnen Ausstellungen auf die Natur, Geologie, Kultur und Gesellschaftshistorie Neuseelands ein. Und zwar auf interaktive, abwechslungsreiche und einfach interessante Art. Die Ausstellungen nehmen ein richtig mit, oft, weil sie sich mit besonderen Geschichten Einzelner beschäftigen und so den Bogen zum großen Ganzen schlagen.

Besonders beeindruckt hat uns die Ausstellung zur Schlacht in Gallipoli im Ersten Weltkrieg. Monatelang lieferten sich die Truppen des Commonwealth, darunter viele neuseeländische Einheiten, mit den Türken eine Schlacht um das Gebiet am Suez-Kanal. Mal gewonnen die einen wichtige Stellungen, mal eroberten die anderen sie zurück. Diese wahnsinnige Vergeudung von Menschenleben ist im Te Papa Museum so eindrücklich dargestellt, dass wir drei danach einfach erst einmal für fünf Minuten da saßen und das Ganze verdauen mussten.

Gallipoli Ausstellung im Te Papa

Schlendern, schlemmen und Abschied nehmen

Nachdem wir uns noch einige andere der Ausstellungen im Te Papa angeschaut haben, unter anderem zu den Einwanderungswellen nach Neuseeland oder der Erdbebenanfälligkeit des Landes, schlenderten wir noch ein wenig durch Wellington. Zum Mittagessen sind wir in ein nettes spanisches Restaurant mit Dachterasse eingekehrt und dann hieß es schon Abschied nehmen. Abschied von der Nordinsel und von meinem Bruder.

Am Vorabend hatten wir nämlich unsere Fährtickets bei Interislander gekauft. Wir hatten in unserer Naivität anscheinend ziemlich Glück, dass wir so einfach Tickets für den nächsten Tag kaufen konnten. Denn bei Blubridge, der anderen Fährfirma (es gibt zwei zwischen den beiden Inseln), war absolut nichts mehr zu bekommen. So aber hatten wir ein Ticket für uns und für unseren Camper und die Reise konnte mit dem Boot um 18.30 Uhr weitergehen. 

Nicht allerdings ohne kleine Schrecksekunde: Als wir unseren Motor starten wollten, um aufs Schiff zu fahren, tat sich nichts. Irgendwie haben wir anscheinend unsere Autobatterie während des Wartens auf die Fähre leer gemacht. Voller Panik suchten wir erst einmal, wo die Batterie überhaupt ist. So im Rückblick müssen wir echt gewirkt haben, wie panische Hühner. Ein Anruf bei Kurt, unserem Autovermieter, hat aber wieder etwas Ruhe reingebracht. Er verriet uns, dass die Autobatterie unter dem Mittelsitz ist und riet uns, Personal von der Fährgesellschaft einzuschalten. Gesagt, getan und schon kam jemand mit einem Starterkit und wir konnten unser Auto wieder anlassen und auf die Fähre fahren.

Angekommen auf der Südinsel - und mal wieder auf der Suche nach einem Schlafplatz

Glücklicherweise ging das Abfahren von der Fähre dann ganz problemlos und innerhalb von knapp vier Stunden sind wir von Wellington im Norden in Picton im Süden gelandet. Dort wollten wir eigentlich nur irgendwo in der Stadt parken und dort schlafen, aber irgendwie waren wir uns wegen der Schilder nicht ganz sicher, ob das erlaubt ist. Also fuhren wir noch ein ganzes Stückchen in ein Waldstück direkt am Strand und haben dort gecampt. Das hat sich am nächsten Morgen als richtiger Glücksgriff erwiesen. Aber dazu mehr im nächsten Artikel. 

PS: Sorry für die wenigen Bilder in diesem Artikel. Irgendwie haben wir den Komfort in Wellington so sehr genossen, dass wir die "Mission" ein wenig aus den Augen verloren haben. 😉

Tina

Reisefan, Möchtegern-Travelhacker und seit acht Jahren Expat in verschiedenen asiatischen Ländern. Ein dauerhaftes Leben in Deutschland kann ich mir momentan gar nicht mehr vorstellen, aber es wäre gelogen, zu sagen, dass mir Döner und Currywurst nicht fehlen. Der große Schritt, die Festanstellung hinter mir zu lassen und mich vollends ins digitale Nomadentum zu stürzen, steht mir noch bevor, daher freue ich mich, gemeinsam mit unseren Lesern neue Möglichkeiten zu entdecken.

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